„The Expanse“

Mein erster Beitrag auf diesem Blog wird direkt zu einer Herzensangelegenheit. Das Science Fiction Genre war schon immer ein Spielplatz der Literatur und Filmemacher, um großartige und fantastische Geschichten in der Welt von Morgen zu erzählen.

Auf zu den Sternen

Zusammen mit der Crew der „USS Enterprise“ reisten wir durch die Weiten des Universums um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und Zivilisationen. In dieser utopischen Welt, in der die Menschheit eine Aszendenz zu einer moralisch höheren Zivilisation erlebte, werden Gewalt und Krieg in den Hintergrund gestellt. Diplomatie und Empathie retten für gewöhnlich den Tag, bevor die Crew den Warp Antrieb startet und in den Sonnenuntergang fliegt.

Anders als bei Star Trek wird bei Star Wars kein Hehl daraus gemacht, dass ein Märchen erzählt werden soll. Vor sehr langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxie, wird die Geschichte um den ewigen Kampf von Böse und Gut, Schwarz und Weiß, oder eben … Rot und Blau erzählt. Religiöse Ordensritter, die im festen Glauben an eine omnipräsente, höhere Macht…, einen Galaxie weiten Krieg führen, vollführen unmenschliche, ja fantastische Kunststücke mit ihren Schwertern aus purem Licht. Irgendwo im Sternen Epos taucht ein Auserwählter auf, der das Universum aus den Fugen reißt und die Geschichte für immer verändern wird.

Für mehr Realität in Fantasywelten

Während der Plot von Star Trek jegliche Glaubhaftigkeit an eine Realitätsnahe Zukunft verliert, sobald man von einer vereinten Menschheit hört (Das größte Märchen von Allen), erscheint der Plot von Star Wars wie ein typisches Werk aus dem Fantasy Genre. Und währen Obi Wan Kenobi und Captain Picard langsam, bei Überlichtgeschwindigkeit und künstlicher Schwerkraft über das Deck ihres Raumschiffes wandern, frage ich mich ob man das Fiction in Science Fiction nicht mal ein bisschen schwächer betonen könnte.

Versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Ich liebe das Fiction in Science Fiction. Das tolle an diesem Genre ist, dass es die fantastischen Aspekte nahbar macht. Im Hinterkopf sitzt noch immer die kleine Version, meines viel jüngeren Ichs, die mir versichert das Lichtschwerter und Teleporter nur einen technologische Durchbruch entfernt sind. Das lasse ich mir auch nicht nehmen. Aber umso mehr hat es mich zum Staunen gebracht, wie unfassbar cool Science Fiction sein kann, wenn man die Gesetze der Physik mal nicht ad absurdum führt.

Was für eine Einleitung. Ich bin noch nicht einmal zum Thema dieses Posts gekommen und habe schon die Fanbase zwei der größten Franchises aller Zeiten vergrault. Super Einstieg.

Als ich vor circa 5 Jahren die Weiten der diversen Streaminganbieter nach einer neuen, fesselnden Serie durchsuchte, für die ich mich begeistern konnte, stieß ich durch Zufall auf „The Expanse“. Die ersten drei Staffeln der Serie wurden noch von „Syfy Universal“ produziert. Einer der Gründe warum ich zu diesem Zeitpunkt kein wirklich großen Erwartungen an „The Expanse“ hatte. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt an Syfy dachte, kamen mir Serien wie „The Defiance“ oder „Eureka“ ins Gedächtnis. Beide Serien überzeugen eher durch Mittelmäßigkeit, obwohl ich „Eureka“ eingestehen muss, mich über die ersten beiden Staffeln doch gut unterhalten zu haben. Wenn ihr Lust auf eine Serie wie „Akte X“ habt, die sich nicht nicht so ernst nimmt, bei der die Themen deutlich weicher gespülter sind, die Tragweite fehlt, die Charaktere nicht halb so interessant sind und es anstelle von Monstern und übernatürlichen Begegnungen eben um wild gewordene Roboter, Computer Viren und Zeitreisen geht, schaut sie euch an. Wenn ich so darüber nachdenke, tut es lieber nicht. Es gibt besseres um Zeit zu verschwenden.

Wo war ich? Achja, „The Expanse“

Dem entsprechend geringe Erwartungen hatte ich also, als ich mich an diesem schicksalshaften Tag auf die Couch warf, die Füße hochlegte und auf Play drückte. Junge, junge. Hätte ich gewusst, das dieser Tag der Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung zwischen Mensch und Unterhaltung werden würde, hätte ich mir das Datum gemerkt um jedes Jahr passend zum Jahrestag mit einer „The Expanse“ DVD schick Essen zu gehen. Die Rechnung würde ich auch übernehmen.

Minimale Spoilerwarnung

„The Expanse“ handelt vom Schicksal einer Gruppe gestrandeter Seelen, die sich im Chaos des Universums, auf der Suche nach dem Glück in den Sternen, auf wundersame Weise finden und die Geschichte der Menschheit für immer verändern werden.
Ja, „The Expanse“ ist eine Weltraum Opera. Eine Geschichte von Helden, die sich mutig der Gefahr stellen um alle Menschen vor der drohenden Gefahr einer außerirdischen Macht zu verteidigen. Und mit dieser Beschreibung endet das Epos „The Expanse“, denn in diesem Universum gibt es keine Platz für Ritter in strahlenden Rüstungen und Prinzessinnen, die es zu retten gibt. „The Expanse“ ist dreckig.
Nicht dreckig wie zum Beispiel ein „Mad Max“ oder „Bladerunner“, „The Expanse“ ist dreckig wie die Realität. Was dieses Universum ausmacht ist nicht die gut erzählte Story, die zwar überdurchschnittlich, aber nicht überragend ist. Was „The Expanse“ so großartig macht, sind die Charaktere und das Sonnensystem in dem sie Leben, lieben und irgendwann einmal sterben. Anders als beim Warpantrieb der „USS Enterprise“ oder einem der diversen Lichtschwerter, besitzt die Physik des Universums einen Logenplatz und muss nicht wie bei „Star Wars“ neben dem Toiletten Eingang stehen.

Einen Blick auf das Morgen

Das bedeutet natürlich nicht, dass „The Expanse“ komplett ohne Fiction auskommt, die Geschichte spielt zwar in unserem Sonnensystem, aber im 24. Jahrhundert. Daumen drücken, dass wir bis dahin durchhalten. In dieser Epoche der Menschheitsgeschichte hat die Menschheit das Sonnensystem erobert. Die namensgebende Ausbreitung bezieht sich auf die menschliche Eigenschaft, jede noch so kleine Nische zu besiedeln. Es gibt Kolonien auf den Jupitermonden, mobile Raumstationen und mit dem Mars eine eigene, von der Erde unabhängige, Nation.
Die Ausbreitung verdankt die Menschheit einem Mann namens „Solomon Epstein“. Der nach ihm benannte „Epstein Antrieb“ sollte eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit werden.
Heißt das jetzt, dass die Schiffe in „The Expanse“ also doch sowas wie einen Warp Antrieb besitzen? Nein! Der „Epstein Antrieb“ erlaubt keine Überlichtgeschwindigkeit oder die Krümmung der Raumzeit oder ähnliches. Das einzig Besondere an ist seine Effizienz. Ein Schiff, ausgerüstet mit diesem Antrieb kann, anders als die Trägerraketen unserer Zeit, mit einem sehr geringen Treibstoffverbrauch dauerhaft beschleunigen. Bei einem gemütlichen Flug zum Mars beschleunigt das Schiff für die ersten Hälfte der Strecken, dann wird gewendet und bis zur Ankunft in der planetaren Umlaufbahn abgebremst. Diese Art und Weise der Fortbewegung führt dazu, dass die unvorstellbar großen Distanzen in unserem Sonnensystem nicht wie in anderen Werken in Minuten oder Stunden absolviert werden. Abhängig vom Aufbruchsort und Ziel dauert das Reisen im System Wochen, oder sogar Monate. Daher ist es kein Wunder, dass ein Großteil der Screentime im Schiff der Crew, in der „Rocinante“ spielt.
Da der Zuschauer, zusammen mit der Crew viel zeit auf dem Schiff verbringt, entwickelt sich die „Rocinante“ im Laufe der Serie zu einem eigenen Charakter. Denkt an den „Milleniumsfalken“, oder die „Black Pearl“.
Die langen Reisen durch das unendliche Nichts erzeugen zusätzlich noch ein Gefühl von Distanz und Leere. Wenn uns „Star Trek“ glauben machen will, dass das Universum vollgepackt mit interessanten Dingen ist und gleich um die Ecke der nächste Asteroidenschwarm wartet, wirkt die Erzählweise von „The Expanse“ fast schon ernüchternd. Die Stimmung, die aufgebaut wird, ist bezeichnend für die Prämisse der Geschichte. Hier draußen im kalten nichts, gibt es nur uns und das Schiff, ohne die Crew und ohne die Hülle aus Metall und Keramik, gäbe es nur den Tod.

Die Schönheit der Physik

In einem Youtube Video, das ich vor einiger Zeit gesehen habe, schaute eine ausgebildete Astronautin der amerikanischen Raumfahrtbehörde, NASA, die erste Folge von „The Expanse“. Ihr erster Eindruck erschien erstaunlich positiv. Die physikalischen Gegebenheiten, wie zum Beispiel die Details der Art und Weise, wie die Raumfahrt mit dem „Epstein Antrieb“ dargestellt wird, wussten zu beeindrucken. Interessant fand ich, wie sie während der gesamten Folge versuchte herauszufinden, warum manche Szenen in Raumschiffen unter Schwerkraft und manche in Schwerelosigkeit spielten. Es müsse einen Schwerkraft Generator geben, der hin und wieder ausfällt, theoretisierte sie. Ein Gerät eben, der Schwerkraft auf all den berühmten Schiffen des Science Fiction Genres realisiere. Nach Veröffentlichung des Videos, wurde sie von einigen Fans kontaktiert und veröffentlichte kurze Zeit später einen Nachtrag.
In „The Expanse“ gibt es keine künstliche Gravitation. Schwerkraft ist nur in der Nähe von massereichen Himmelskörper, wie zum Beispiel Planeten zu spüren, oder eben bei Beschleunigung. Die Menschen auf den Schiffen, können sich nur dann in Schwerkraft fortbewegen, solange das Schiff beschleunigt. Ein Glück gibt es den „Epstein Antrieb“. Sogar die Raumstationen, die in die großen Felsen des Asteroidengürtel gehauen wurden, erzeugen Schwerkraft durch eine künstlich herbeigeführte Rotation, sodass die Menschen durch die Fliehkraft des rotierenden Himmelskörper an die Auenseite gepresst werden. Anders als auf den Planeten, leben die Gürtler hier von Innen nach Außen. Also wie in Australien.

Allgemein ist Schwerkraft ein zentraler Dreh und Angelpunkt in „The Expanse“. Denn obwohl sich die Beschleunigung mit 9,80665 m/s², der natürlichen Erdanziehung, also 1g, für die meisten Menschen sehr angenehm anfühlt, wirken sich Beschleunigungen von 2g, oder 3g oder vielleicht 10g deutlich unangenehmer auf den menschlichen Körper aus? Wie manövriert man einen Torpedo aus, der keine Rücksicht auf die Zerbrechlichkeit von Gewebe und Knochen nehmen muss. Wer hält die Belastung der Beschleunigung länger durch, die jagende, oder die gejagte Crew.

Die Menschheit von Morgen

Schwerkraft hat auch einen großen Einfluss auf die gesellschaftlichen Veränderungen und schafft Raum für neue Diskriminierungsmöglichkeiten, die die Menschheit natürlich dankend annimmt. Mit der Expansion in die äußeren Gebiete unseres Sonnensystems und der Erschließung von Lebensraum und Ressourcen an Orten wie zum Beispiel dem Asteroidengürtel, zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter, verließen Tausende die Schwerkraftsenke der Erde um sich ein Leben auf den Stationen, weit abseits der Planeten aufzubauen. Nach Generationen in schwacher Schwerkraft, passten sich die Körper dieser Pioniere an. Die sogenannten „Gürtler“ besitzen einen verlängerten Körperbau, instabilere Knochen und weniger Muskeln als ihrer Artgenossen von Erde und Mars. Erwartungsgemäß führen diese äußerlichen Unterschiede zu Diskriminierung und Rassismus. Dazu kommt noch der Wunsch der politischen Unabhängigkeit der Gürtler von ihrer Kolonialherren von Erde und Mars. Mixt man nun noch eine Prise Konflikt zwischen den beiden Planeten, entsteht ein wunderbarer Eintopf aus politischen Intrigen, extremistischen Gruppierungen und gesellschaftlicher Spannung. Und dabei hab ich den Einfluss einer außerirdischen Macht noch nicht einmal erwähnt.

All das macht „The Expanse“ zu einer wilden Reise durch das Sonnensystem und den menschlichen Abgründen. Erzählt aus der Sicht einer kleinen Anzahl an Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Allen voran der Protagonist und Sympathieträger James Holden, dessen beste Charaktereigenschaft ist, dass er eigentlich ziemlich uninteressant daher kommt. Ist wirklich so und das schreibe ich mit den besten Intentionen. Denn Holdens Bilderbuch Held, mit der moralischen Fragwürdigkeit eines Mahatma Ghandis, gibt dem Rest seiner Crew die nötige Screentime um scheinen zu können. Ob man der intelligenten, abgeklärten Ingenieurin Naomi zusieht, wie sie die Bordsysteme der „Rocinante“ hackt und umschreibt, dem bulligen Mechaniker Amos über die Schulter blickt, wie er seine kleine Waffensammlung säubert oder dem marsianischen Piloten Alex beim Witze reißen zuhört, nie hat man das Gefühl es wäre überflüssig oder forciert. Ganz zu schweigen von den diversen Charakteren außerhalb der Crew, in deren Perspektive man im Laufe der Serie schlüpft. Der ausgezehrte und zynische Detektive Miller, mit dem man los zieht um einen Mord aufzuklären, oder Gunnery Sergeant Roberta Draper, mit der man Live dabei ist, wenn die ersten Kugeln im krieg fliegen. Nicht zuletzt meine absolute Lieblingspolitikerin Chrissjen Avasarala, die der ganzen Geschichte eine andere Perspektive, außerhalb von Raumschiffen und Raumstationen verleiht. Ohne scheiß, Shohreh Aghdashloo als Chrissjen Avasarala ist ein Fest und wer auch immer für das Casting in dieser Show zuständig war, verdient eine Gehaltserhöhung.

Dieser kleine Text ist natürlich nur ein sehr, sehr grober Anriss von dem was „The Expanse“ zu einer der besten (vielleicht sogar die beste) Scince Fiction Serien der letzten 10 Jahre macht. Natürlich habe ich nach dem Abschließen der Serie (derzeit 5 Staffeln, mit der 6. in naher Zukunft) direkt mit der Buchreihe, auf der die Serie basiert, begonnen. Was soll ich sagen. Scheiße sind die geil. Das Autoren Duo, das unter dem Pseudonym James A. Corey die Bücher geschrieben hat, trifft einfach genau meinen Geschmack. Die Geschichte der Serie weicht inhaltlich nur minimal vom Buch ab, trotzdem gibt es genug Varianz um das Lesen der Bücher auch nach dem schauen der Serie zu legitimieren.

Fazit

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass man für den beginn der Serie ein klein wenig Geduld mitbringen muss. Die ersten drei Folgen der ersten Staffel verwenden sehr viel zeit für das Worldbuilding, was bei einem so detaillierten und komplexen Universum auch nötig ist.

Ich persönlich war aber spätestens nach der dritten Folge hooked!

2 Kommentare zu „„The Expanse“

Gib deinen ab

  1. Hi Basti, sehr schön geschrieben!
    Flüssig zu lesen, sehr schön beschrieben, macht neugierig auf mehr!
    Lese auf Deine Empfehlung hin gerade Buch 1 🤗
    Dann warte ich mal auf weitere Empfehlungen…

    Liebe Grüße

    Gefällt mir

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