„Ghostrunner“

Naruto, aber in Cyberpunk

Es folgt eine kurze Zusammenfassung von „Ghostrunner“:
Schlitz, Dash, Schwing, Dodge, Jump, Slowmo-Matrix-Ausweich-Action-Wer-Ist-Dieser-Neo, Jump, Dash, Tod

Respawn, Jump, Schlitz, Dash, Schwing, Slide, Schlitz, Zeitlupen-Bullettime-Max-Payne-Wäre-Stolz, Tod

Respawn, Adrenalin!

„Ghostrunner“ ist nicht nur ein Videospiel, „Ghostrunner“ ist ein Powertrip. Nie habe ich mich dem Gottsein so nahe gefühlt. Denn „Ghostrunner“ gibt dir überhaupt keine Gelegenheit zu realisieren, dass das was sich da gerade abgespielt hat nur auf dem Bildschirm und nicht in Wirklichkeit stattfindet. Bevor die Dopamin und Adrenalin Drüsen eine wohlverdiente Pause einlegen können, habe ich schon zwei weitere Male auf die R Taste gehämmert und das nächste Dutzend Pixel-Schurken um einen Kopf verkürzt. Man spielt nicht den Ghostrunner, man ist der Ghostrunner.

Das Spiel ist geil. Kurzweilig, maximal stressig, manchmal ein bisschen „drübber“, aber geil. Selten war ich schon nach so kurzer Zeit so sehr gehooked.

Ein Treffer und du bist tot

Im Kern ist „Ghostrunner“ ein sogenannter Plattformer. Also ein Subgenre des Action Videospiels, bei dem der Spieler die Zielsetzung bekommt, die Spielfigur Von einem Punkt A zu einem Punkt B zu bewegen. Die Schwierigkeit dieses Genre besteht in der Regel darin, dass es keinen direkten Weg zwischen den Punkten gibt und der Spieler durch geschicktes Steuern der Spielfigur, Hindernisse umgehen oder aus dem Weg räumen muss.
Abhängig vom Spiel wird dem Spieler eine Handvoll Werkzeuge an die Hand gegeben, mit deren Hilfe die Navigation und das Manövrieren durch den Level möglich gemacht wird. Mario kann springen und … schneller laufen? Ah, natürlich ist er auch in der Lage Plasmakugel in einem fragwürdigen Winkel zu werfen, wenn er sich eine Blume auf den Kopf setzt.
Der Ghostrunner kann Springen, Dashen, Sliden, noch einmal Springen, an Wänden laufen, sich mit seinem Enterhaken durch das Level ziehen (Übrigens sollte jedes, JEDES Videospiel einen Enterhaken enthalten), mit seinem Katana schlitzen, schneiden, spalten, Kugel Ablenken, Schockwellen verschießen, Gegner übernehmen und Slowmo-Matrix-Ausweich-Action-Wer-Ist-Dieser-Neo-Luftmanöver durchführen.

Was der Ghostrunner nicht kann, mehr als einen Treffer einstecken. Jedes Projektil, was von den diversen Gegnertypen, die einem das Spiel entgegenwirft, auf den Spieler abgefeuert wird, führt schon beim kleinsten Streifschuss zum Hirntod und Organversagen. Erwartungsgemäß, macht dieses kleine unbedeutende Feature das Spiel an manchen Passagen BOCKSCHWER!

Aber. Und hier ist der entscheidende Faktor, der mir erst sehr spät im Spiel bewusst wurde, aber essentiell dafür verantwortlich ist, dass das Spielprinzip überhaupt funktionieren kann. Sollte man ins Gras beißen, und das wird man, ist man nur einen Tastendruck von der nächsten Runde Schlitzen und Schwitzen entfernt. Es gibt keine Ladezeiten und die Checkpoints sind fair über die Level verteilt. Die R Taste wurde während der etwa 8 Stunden langen Spielzeit zu meinem besten Freund.

Cyberpunkiger geht es kaum

Aber natürlich überzeugt diese Polygon geborene Epinephrin Spritze nicht nur spielerisch. Die Welt von „Ghostrunner“ ist Cyberpunk in seiner reinsten Form. Schon die Spielwelt selbst: Ein gigantischer Turm, die letzte Bastion der Menschheit auf diesem lebensfeindlichen Planeten, der nicht nur von den Überresten unserer einstigen Zivilisation bewohnt wird, sondern natürlich auch der Hauptsitz, des allbeherrschenden Mega-Konzerns ist. Hier Jumpen, Dashen, Sliden wir uns von einer Etage zur Nächsten um am Ende einen epischen Showdown in der Chefetage zu erleben.

Cyberpunkesque, handelt es sich bei der Spielfigur natürlich um einen Cyborg-Androiden-Roboter mit einem Katana. Während jeder noch so kleine Dulli-Schurke mit einer Gattling-Gun im Handtaschenformat auf die Spieler feuert, sind Schusswaffen für den Ghostrunner tabu. Das ist, was uns von den Barbaren unterscheidet. Während die austauschbaren Rummel Rambos des Großkonzerns lieber auf Feuerrate als Treffsicherheit setzen, geht es uns um Eleganz und Präzision. In den Händen des Ghostrunners wird das Katana zum Skalpell und wir sind der Chirurg.

Das Spiel selbst besiegen

Mit seinen knapp 8 Stunden Spielzeit erscheint die Kampagne von „Ghostrunner“, vor allem in der heutigen Zeit der Open-World-Langzeit-Kommittent Spiele, eher kurz. Man darf allerdings nicht vergessen, dass während des Spielens ein solch hoher Adrenalinspiegel im Blut vorherrscht, dass es nicht undenkbar wäre plötzlich Töne zu sehen, oder Farben zu hören. Nach 8 Stunden mit einem Ruhepuls von 200 nimmt man die Pause gerne an.

Außerdem bedeutet das Ende der Kampagne nicht, dass man das Spiel nun beenden und deinstallieren sollte. Man hat zwar den letzten Boss besiegt, doch jetzt heißt es sich selbst zu schlagen. Jeder Abschnitt, jeder Level kann noch schneller, noch eleganter und weniger sterbend durchlaufen werden. Jetzt heißt es Bestzeiten zu schlagen und das Spiel an seine Grenzen zu bringen. Mit seinen mannigfaltigen Bewegungsmöglichkeiten und Manövern erlaubt das Spiel nämlich Fortschritt außerhalb des vorgegeben Pfades. Dies erfordert einiges an Übung und ein gutes Verständnis von den Mechaniken, aber an vielen Stellen innerhalb des Spiels kann man das System austricksen. Das Spiel selbst besiegen. Den Code überlisten. Voll Cyberpunk!

Das Spiel hat sogar eine Geschichte. Diese siedelt sich zwar von der Komplexität und Unvorhersehbarkeit irgendwo zwischen Wahlkampfplakat und „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ an, ist aber immerhin super vertont und nicht störend. Wie auch? Man hört eh nur den eigenen Herzschlag.

„Ghostrunner“ ist sicherlich nicht für jeden etwas. Trotz der angenehmen Respawn Mechanik kann leicht Frust aufkommen. Auch gibt es hier und da einige Bugs, die im schlimmsten Fall sogar den Fortschritt behindern. Bei meinem ersten Durchlauf machte mir einer dieser Bugs das Leben schwer und nur durch Abweichen vom vorgegebenen Pfad war es mir möglich den Level zu beenden.

Trotzdem und vielleicht sogar genau deswegen, hatte es nach dem Starten des Spieles keine 5 Minuten gedauert und ich war hooked!

2 Kommentare zu „„Ghostrunner“

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