„Die Drei Fragezeichen ???“

Eine Liebeserklärung

Lasst mich euch ein Bild mit Worten malen:
Es ist das Jahr 2001. Gestern, an seinem neunten Geburtstag, lag auf dem kleinen Geschenketisch von Babybubi Basti, neben Socken, einem neuen Füller für die Schule und tonnenweise After Eight (KEIN Neunjähriger jemals, irgendwo mag After Eight, Tante Angitta. Danke für garnix!) eine Kassette von den Drei Fragezeichen. „Der Karpatenhund“, las ich damals laut, mit wenig Enthusiasmus und völligem Unverständnis vor. Meine Begeisterung hielt sich zu diesem Zeitpunkt noch in Grenzen, da meine bisherigen Erfahrungen mit Hörspiel Kassetten nur aus den „Bibi & Tina“ Geschichten meiner älteren Schwester bestand. Übrigens, soweit ich das beurteilen kann, sind Bibis Hexerei Fähigkeiten keine Grenzen gesetzt. Wäre sie nur ein bisschen kreativer und besser im Reimen, hätten die Neustädter ein ernsthaftes Problem mit einer allmächtigen Hexe und Bibi einen Gottkomplex. Warum nicht mal ein Reboot mit dieser Prämisse (Looking at you: Still in the Simulation)? Das nur am Rande.
Ich war mir nicht sich, was mir die drei Fragezeichen in Rot, Weiß und Blau auf dem Cover sagen sollten. War es Zufall, was man zu hören bekam? Eine Art Hörspiel Überraschungs-Ei? Glücksspiel im Audioformat?

An diesem besagten Tag, nach dieser sehr ernüchternden Geschenke Ausbeute (Ja, ich war ein kleiner Dudley Dursley), steckte ich die Kassette fast schon lethargisch in den Kassettenrekorder. Bringen wir es hinter uns. Nächstes Jahr wünsche ich mir ein Fahrrad, dachte ich mir.

Drei Monate und hunderte Hördurchgänge später flehte ich meine Eltern an mir die Kassette ein weiteres Mal zu kaufen, da sich das Magnetband beim letzten Durchlauf verhedderte und riss. EINE TRAGÖDIE! Als ich im Laden realisierte, dass „Der Karpatenhund“ nur einer, von dutzenden Fällen von Justus, Peter und Bob war entfesselte dies ein Gefühl in meinem Inneren. Eine Begeisterung, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gespürt hatte. Das erste Mal, in meinem noch jungen Leben, war ich hooked!

Darf Ich Ihnen Unsere Visitenkarte Geben

Die drei Fragezeichen, wir übernehmen jeden Fall. Erster Detektiv: Justus Jonas. Zweiter Detektiv: Peter Shaw. Recherchen und Archiv: Bob Andrews.

Gänsehaut!

Kaum etwas hat meine Kindheit so sehr geprägt wie diese paar Worte, gedruckt auf der fiktiven Visitenkarte der drei Detektive aus Rocky Beach. Die drei Fragezeichen stehen für ungelöste Rätsel und Geheimnisse aller Art und fast scheint es, als handelte es sich hierbei um eine selbst erfüllende Prophezeiung. Denn in den mittlerweile 217 Hörspielfolgen, die übrigens seit 1979 (!!!) produziert werden, klären unsere Helden spektakuläre, verblüffende und manchmal wirklich bekloppte Fälle auf. Wir übernehmen jeden Fall. Kein Scheiß!

Spezial Gelagerte Sonderfälle

In diesen 40 Jahren konnten die drei Satzzeichen einige kuriose Fälle lösen. Dabei auch Fälle, die man bei einer Amateur-Teenager Detektei durchaus erwarten würde. Bis es dann doch irgendwie ein wenig merkwürdig wird. In „Der Superpapagei“, zum Beispiel, geht es zunächst um einen verloren gegangenen Vogel. Ja, es macht Sinn für Probleme dieser Art Jugendliche zu beauftragen, deren Hobby es ist Polizei zu spielen. Für einen entflogenen Papagei würde ein Inspektor Cotta, von der Polizei Rocky Beach, keine Überstunden machen. Es hätte ja auch keiner ahnen können, dass hinter diesem eher harmlosen Auftrag eine spannende Schnitzeljagd steckt, an deren Ende ein Schatz versteckt ist. Niemand, außer Justus versteht sich.
Bei den meisten Fällen entzieht es sich allerdings jeglicher Logik, wie drei Halbstarke Amateurschnüffler immer wieder in diese obskuren Geschichten verstrickt werden können.

Allen voran Justus Jonas, der erste der drei Detektive. Er nimmt im Team die Rolle des kriminalistischen Genies, des forensischen Wunderkindes ein. Mit einem IQ irgendwo in der Nähe des Ruhepuls eines 300 Kilo Mannes, deduziert er die Fakten und vollendet das Puzzle, sei es noch so komplex und monochrom, welches das Rätsel auflöst. Zum Leidwesen seiner Kollegen ist Justus ein großer Freund der Spannungskurve, was ihn regelmäßig dazu veranlasst die Lösung nicht nur den Hörer/innen, sondern auch seinen Freunden vorzuenthalten. Dick Move Justus! Dick Move!

Ein Fragezeichen Für Alle Gelegenheiten

Der erste Detektiv ist in Sachen Ermittlung so talentiert, dass der notorisch berüchtigte Meisterdieb Victor Hugenay, ihn als seinen eingeschworenen Erzfeind erklärte. Ein französischer Meisterdieb, erklärt einen Teenager, der auf dem Schrottplatz seines Onkels, zusammen mit seinen Freunden Detektiv spielt, zu seinem Erzfeind. Muss man noch mehr sagen??? <– Metagag!

Man sollte an dieser Stelle aber nicht die Fähigkeiten der beiden anderen Fragezeichen unterschätzen.
Peter Shaw, zweiter Detektiv und seines Zeichens Sportskanone. Ist Justus der Kopf der Gruppe, so ist Peter der Muskel, und das vegetative Nervensystem mit dem Fluchtinstinkt. Nebenbei ist er übrigens noch Ehrenmitglied im Volk der Winde („Die Drei Fragezeichen ???: Das Volk der Winde“). Macht sich sicher gut im Lebenslauf. Als Hörer/in gewinnt man sehr schnell den Eindruck, dass Peter von den Dreien der Vernünftigste mit der größten Portion gesunden Menschenverstandes ist. Auch wenn er innerhalb der Gruppe meistens überstimmt wird, bringt er regelmäßig vernünftige Einwände vor, die gegen das nächste halsbrecherische Abenteuer der drei sprechen. Bitte verwechselt Vernunft nicht mit Angst, den Peter beweist immer wieder aufs Neue, wieviel Mut in ihm steckt.

Im Dreiteiler, „Die Toteninsel“, werden die Fragezeichen von ihrem Erzfeind (Der Begriff wird sehr inflationär verwendet!) Skinny Norris auf eine illegale Forschungsexpedition aufmerksam gemacht. Nach einigen Ermittlungen und Recherchen werden die drei von Skinny hinterrücks verraten und Peter nimmt unfreiwillig, unter falschen Namen, an der Expedition teil. Ein Teenager fährt als blinder Passagier auf einem Expeditionsschiff zu einer geheimen Insel in Mikronesien, die der Legende nach, natürlich von einem Fluch befallen ist. Für die Fragezeichen, ein normaler Freitagabend.
„Die Toteninsel“ ist übrigens eine meiner absoluten Lieblings Folgen und sollte unbedingt einmal angehört werden.

Der dritte im Bunde, Bob Andrews, wird auf der Detektei eigenen Visitenkarte mit „Recherchen und Archiv“ tituliert. Bob ist der Mann, wenn es darum geht Informationen zu beschaffen, Akten zu durchstöbern und Quellen zu akquirieren. Durch seinen Vater, der als Reporter bei der Los Angeles Post arbeitet, sitzt Bob dafür direkt an der Quelle. Zu Beginn der Hörspielreihe arbeitet er zusätzlich nebenbei in der städtischen Bibliothek. Das kommt davon, wenn man für seine Arbeit als Detektiv keine Bezahlung annimmt.

Später hängt Bob seinen Spießer Job an den Nagel um seiner Passion in der Musikindustrie zu folgen und beginnt beim ortsansässigen Musikagenten Sax Sandlers zu arbeiten. Die Kontakte, die er während seiner Zeit dort aufbaut, erweisen sich immer wieder aufs Neue als unglaublich wertvoll. So zum Beispiel in der Folge „Die Automafia“, in der die drei Fragestellungen den Machenschaften einer Autoschieberbande/Jazzband auf die Schliche kommen.

Grusel, Humor Und Die Zukunft

Eine weitere meiner Lieblingsepisoden ist Folge 101, „Das Hexenhandy“. Eine komplett bekloppte Geschichte rund um eine Reihe Entführungen der Besitzer sogennanter Hexenhandys. Diese Handys, die ihm Dunkeln leuchten und anstelle eines Klingeltons, bei einem Anruf ein „gruseliges“ Lachen abspielen, sind bei der Jugend in Rocky Beach voll im Trend. Wild diggah. Voll lit. Sheesh! Die Produzenten wussten schon immer wie die Jugend tickt. Maßgeblich zur Qualität dieser besagten Folge, trägt übrigens der einzigartige Bastian Pastewka bei, der hier den Scooby Doo Bösewichten mimt. Oscar verdächtig.

Immer voll aktuell und mit der Zeit gehend, werden auch moderne Verbrechen und Stories behandelt. In „Angriff der Computerviren“ geht es um … Naja ihr wisst schon. Erschienen ist die Episode übrigens 1990 und lohnt sich darum schon allein wegen dem ikonischen AOL Modem Einwahl-Paarungsruf. Allerdings sei vorweg die Warnung ausgesprochen, dass dieses Geräusch bei einigen Mitbürgern tiefliegende PTSD Erscheinungen triggern kann.

Fast schon ihrer Zeit voraus war die Folge 88 „Vampir im Internet“. In dieser Episode dürfen Justus, Peter und Bob als erste Tester, in die virtuelle Realität des Videospiels „Sweet Revenge“ (ich kann das nicht tippen, ohne zu kichern) eintauchen. Ihr lest richtig. Virtuelle Realität. Mit Videobrillen und haptischen Handschuhen ausgerüstet, verlieren die Drei fast das Gefühl dafür, was denn nun Realität und was Spiel ist. Jahrzehnte vor der Oculus Rift, kommen die Fragezeichen mit VR-Brillen um die Ecke. Zukunftsweisend. Für Kenner der Folge noch eine kleine Anekdote: Saft!

Das Beste Satzzeichen

„Die drei Fragezeichen“ haben einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend geprägt. Das erste Franchise, das mir aufzeigte wie schön es sein kann sich für eine Geschichte oder einen Charakter zu begeistern. Schon alleine deswegen werden in meiner persönlichen Halle der Legenden immer drei große Fragezeichen an der Wand hängen. Über all die Jahre hinweg, erzählten die Synchronsprecher rund um Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich (Justus, Peter und Bob) spannende Geschichten, gefüllt mit Spannung, Grusel, vielen Rätseln und einer guten Schippe Humor. Auch wenn meine Besessenheit mit den drei Schnüfflern im Alter nachgelassen hat, erwische ich mich doch immer wieder, wie ich bei langen Zugfahrten, oder vor dem Einschlafen eine alte, oder neue Folge „Die drei Fragezeichen“ anmache und mich in der kleinen Stadt Rocky Beach, die eine erschreckend hohe Kriminalitätsrate aufweist, verliere. Da jede einzelne Folge auf Spotify zu finden ist, lege ich jedem Leser und jeder Leserin ans Herz einen kleinen Abstecher auf den Schrottplatz von Titus Jonas zu machen und einmal in der Zentrale der drei Fragezeichen vorbeizuschauen. Ich verspreche euch, danach seid ihr hooked!

6 Kommentare zu „„Die Drei Fragezeichen ???“

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  1. Wer das Internet zensiert, unterstützt auch diese links-grün versiffte cancel culture und bedroht damit aktiv das aussterben der currywurst!

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  2. Auch wenn ich für die 3??? zu alt war/bin…. Hätte fast Lust dazu bekommen, mir das mal anzuhören.
    Super lustig geschriebene Liebeserklärung! Bin immer wieder begeistert und hooked , wenn jemand sprachlich mich beeindrucken kann! Weg von „ey alder“ und „isch geh bei die Aldi“
    Nice!! 🙂 Weiter so!
    PS: mein ältester Sohn hat den Justus Jonas am Hamburger Schauspielhaus gespielt 🥳
    Natürlich angeschaut…
    Bin gespannt auf nächste Hooked- Folge

    Gefällt mir

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