„No Man’s Sky“

Es geht schon wieder ins Weltall?!
Schnauze dahinten! Solange ich hier am Ruder sitze wird gelesen, was auf den Tisch kommt!

Ich geb’s ja zu. In meiner großen Haribo Goldbärentüte der Story Settings ist der Weltraum das rote Bärchen. Die Anderen sind auch geil, aber das Rote wird als erstes rausgefischt. Es ist also nicht unwahrscheinlich, wenn zukünftige Beiträge öfter mal den Blick zu den Sternen richten. Kommt damit klar!

Sternweh

Stellt euch vor ihr sitzt in einer warmen Sommernacht unter dem klaren Sternenhimmel mit seinen Tausenden und Abertausenden funkelnden Lichtern, die die endlose Dunkelheit durchdringen um genau hier, in diesem Moment, genau dir ihr Licht zu schenken.

Man beginnt sich klein zu fühlen. Unbedeutend im großen Ganzen des Kosmos. Kein unangenehmes Gefühl. Eher wirkt es befreiend, sich einzugestehen wie irrelevant man selbst in den unendlichen Weiten des Alls erscheint. Man erkennt, dass wie auch immer man sein Leben führt, wie man die Welt und die Menschen um einen herum nach seinem Leben zurücklässt. Das Universum wird es nicht verändern.

Genau wie die Milliarden Sterne, die in den Weiten um uns herum durch die Schwärze gleiten. Ein Ort so unvorstellbar groß, dass unser Primatenhirn nicht einmal versuchen sollte seine Ausmaße zu begreifen. Was ist das Universum, wie entstand es, welche Geheimnisse verbergen sich in den Tiefen des Nachthimmels? Es gibt so viel zu entdecken, so viele Antworten auf Fragen, die wir noch nicht einmal gestellt haben. Warum bleiben, wenn wir zu den Sternen fliegen können? Worauf warten wir?

Dieses Gefühl, dieses Verlangen nach Freiheit und grenzenlose Neugier, Sternweh, ist eine ganz besondere Art der Begeisterung. Eine Mischung aus Respekt und Sehnsucht, die für mich nur in Zusammenhang mit dem Universum und seinen Geheimnissen entstehen kann.

Umso schöner also, dass es ein Medium gibt welches im Stande ist genau dieses Gefühl in mir auszulösen. Nach dieser, etwas lang geratenen, Exkursion in meine eigene kleine Gefühlswelt, widmen wir uns endlich dem eigentlichen Thema dieses Beitrages: „No Man’s Sky“!

Eine Achterbahn der Gefühle

Man kann nicht über „No Man’s Sky“ sprechen, ohne den katastrophalen Launch vor 5 Jahren zu erwähnen. Fragwürdige PR Entscheidungen und ein kriminell überforderter Sean Murray, führten zu einer dunklen Ultra Digitation des Hypetrains in etwas vollkommen unkontrollierbares. Und als das Gerippe von Skull-Hypetrain (Typus: Virus), unter den Augen von Millionen, spektakulär in sich zusammenbrach, war das Kapitel „No Man’s Sky“ für die meisten beendet. Legitim!

Die darauffolgende Sendepause des Entwicklerteams veranlasste Internetexperten auf der ganzen Welt wilde Vermutungen bezüglich der Abzocke zahlungswilliger Vorbesteller zu verfassen. Ein weiteres Cashgrab Projekt, was auf die Gutgläubigkeit der Spieler abzielte, hieß es in Reddit Fachkreisen. Was soll ich sagen, ich war einer dieser Sofa-Bundestrainer, die über Nacht einen Abschluss in digitalem Marketing und Franchise Management gemacht hatten und meine fachkundige Meinung in diversen Reddit Threads zum Ausdruck zu bringen. Es konnte ja auch keiner ahnen, dass sich aus der Asche des Spaghetti-Codes, eines der meist erwarteten Spiele aller Zeiten, eine der besten Redemption Stories seit Anakin Skywalker ergeben würde. Die Auferstehung Sean Murrays.

Entgegen aller Erwartungen nahm sich das Team von „Hello Games“ die Kritik wirklich zu Herzen und arbeitete unter Hochdruck, aber mit Leidenschaft daran, aus „No Man’s Sky“ das Spiel zu machen, das die Vorbesteller verdient hatten.

Heute, ziemlich genau 5 Jahre später repräsentiert „No Man’s Sky“ all das was in mir das Gefühl von Sternweh auslöst. Eine unendliche Entdeckungsreise zu fantastischen Welten und unerklärlichen Phänomenen.

„No Man’s Sky“ ist kein Spiel im herkömmlichen Sinne. Es gilt bei dieser Pixel-Odysse keine Welten zu retten, keine Prinzessinnen aus den Fängen schurkiger Schurken zu befreien. „No Man’s Sky“ ist eine Reise. In der weiten Welt der gecodeten Unterhaltungsmedien gibt es eine handvoll dieser Kunstwerke, die es verstehen die Spieler/innen durch Neugier und Entdeckertrieb, anstelle von regelmäßigen Dopamin und Adrenalin Dosen an den Bildschirm zu fesseln. Neben „No Man’s Sky“ ist, das im Jahr 2012 erschienene, „Journey“ so ein Kandidat und hätte nebenbei einen ganz eigenen Blog Beitrag verdient. Genauso „Subnautica„. Oh was sehe ich da, eine meiner fleißigen Bienchen hat sogar schon einen solchen Beitrag verfasst. Verrückt ist diese Welt.

So viele Welten

Hier und Heute geht es aber um „No Man’s Sky“. Der Name alleine erzeugt bei mir schon Gänsehaut. No. Man’s. Sky… Denn der Himmel, gehört niemandem!

Das Schlüssel Feature, das in den Fahrgästen des Hypetrains eine Vorstellung von dem weckte, was dieses Spiel sein könnte, dann zur Enttäuschung mutierte, als klar war, was es zum Release sein würde und schließlich 5 Jahre später endlich zu dem geworden ist, was es schon immer sein wollte, nennt sich „prozedual generierte Welt„. Ohne tiefer ins Detail gehen zu wollen, sonst würde man auf diesem Blog am Ende noch etwas lernen, bedeutet es nichts Anderes, als dass jedes Sonnensystem, jeder Planet, jedes Tier und jede Pflanze, über die man im Laufe seiner Reise stolpert, durch eine Algorithmus designed und generiert wurde. Hinter dem lustigen, fliegenden Teddybären mit Hirschgeweih, Welpenaugen und viel, viel zu kleinen Schmetterlingsflügeln, steckt also kein sadistischer Designer/in, ohne Gespür für Ästhetik und korrekte anatomische Physik, sondern mehrere tausend Zeilen an Code.

Dieser Umstand hat einige Vorteile. Zum einen trifft man sehr häufig auf lustige, fliegende Teddybären mit Hirschgeweih, Welpenaugen und viel, viel zu kleinen Schmetterlingsflügeln, oder andere, ähnliche Schöpfungen, die Gott in seinen besten Jahren Tränen in die Augen getrieben hätten, zum Anderen kann man auf diese Weise unzählige Planeten, Tiere und Pflanzen erstellen, ohne seine Mitarbeiter mit durchdrehenden Reifen gegen die Wand fahren zu lassen. Das Ergebnis spricht für sich. Die Anzahl an Planeten, die man im „No Man’s Sky“ Universum betreten und erkunden kann, bewegt sich irgendwo in dem 18.446.744.073.709.551.616 Bereich. Das ist kein Witz! Würde einer dieser PC-Masterrace Powergamer mit intravenös gelegter Monster Energy Zufuhr sich zur Aufgabe machen, jeden einzelnen Planeten zu besuchen und sollte er dabei nur für eine Sekunde auf jedem Planeten verweilen, würde er für diesen Speedrun trotzdem 5.849.424.173.550 Jahre benötigen. Knapp 6 Billionen Jahre. Das könnte knapp werden, wenn man bedenkt, dass unserer Sonne in knapp 13 Milliarden Jahren der Saft ausgeht. Es gibt einfach immer etwas zu entdecken.

Eine Spielwiese zwischen den Sternen

„No Man’s Sky“ ist ein Sandkasten. Jedes Kind findet hier etwas, an dem es Spaß hat. Manche bauen Sandburgen, andere backen Sandkuchen, wieder andere entdecken lang verschollene Piratenschätze. Natürlich gibt es auch die Kevins, die mit Dreck werfen, aber bei so viel Platz, ist es unwahrscheinlich einem Vertreter dieser Spezies über den Weg zu laufen.

Meine persönliche Reise begann wie jeder Anfang, etwas schwer und holprig. Nach einem Absturz auf einem fremden, lebensfeindlichen Planeten gilt es erst einmal genug Rohstoffe zu sammeln, um das Schiff und damit seine Mitfahrgelegenheit wieder auf Vordermann zu bringen. Während toxische Stürme toben und die aggressive Faune uns zu ihrem Frühstückssnack erklärt hat, kämpfen wir uns Schritt für Schritt zum nächsten Kupfervorkommen, um genug Ressourcen für die Reparatur der Startdüsen aufzutreiben. Zwischendurch werden wir von unserem ewigen Begleiter, der Computerstimme, informiert, dass unsere Sauerstoff Reserven zur Neige gehen und wir bitte umgehend eine Quelle zur Auffrischung ausfindig machen sollen. Tatsächlich erinnert der Beginn des Abenteuers mehr an ein Videospiel aus dem Genre der „Survival Adventures„. Lasst euch davon aber nicht täuschen. Zwar kommt es gerade am Anfang der Entdeckerkarriere häufiger vor, dass man sich mit einem Mangel an nötigen Ressourcen auseinandersetzen muss, um sein Leben kämpft man eigentlich nur auf dem ersten Planeten. Irgendwann hat man aber alle nötigen Reparaturen abgeschlossen und steigt endlich in das Cockpit seines eigenen Raumschiffes. Was daraufhin folgt, hat mir bei meinem ersten Durchlauf wahrlich den Atem verschlagen. In dem Moment, wenn man im Cockpit sitzend, zum ersten Mal die Atmosphäre des Planeten verlässt und sich in der endlosen Leere des Raumes befindet, fängt man langsam an zu begreifen, welche Ausmaße dieses Spiel wirklich hat.

Zunächst etwas unbeholfen navigiert man zwischen den Planeten des ersten Sonnensystems zu einer Raumstation. Hier trifft man auf die ersten Vertreter der außerirdischen Rassen, die das Universum bevölkern. Die Verständigung gestaltet sich schwierig, da man erst im Laufe der Spielzeit genug Vokabeln der einzelnen Sprachen lernt, um einer Konversation ohne Probleme zu folgen. Glücklicherweise gibt es die eine universelle Sprache, die jedes intelligente, zivilisierte Lebewesen spricht. Die Sprache des Geldes. Schnell merkt man, dass der Kapitalismus wohl auch in diesem Teil des Universums dominiert und nichts, aber auch Garnichts kostenlos ist.

Vom Entdecker zum Rohstoffmagnaten

Glücklicherweise bietet „No Man’s Sky“ genug Möglichkeiten finanziell relevant zu bleiben und dem eigenen Konto einige Nullen hinzuzufügen. Ob durch die Veröffentlichung der eigenen Entdeckungen, dem Verkauf von seltenen Schätzen, Artefakten und Relikten, die Produktion von aufwendig herzustellenden Technologien oder dem professionellen, fast schon industrieartigen, Abbau von Ressourcen, jeder kann hier auf seine bevorzugte Art an Geld gelangen. Mit diesem Geld können weitere Ressourcen für den Bau von aufwendigen und komplexen Basen, neue und bessere Raumschiffe, Technologien oder eine eigene Flotte, die man von seinem riesigen Mutterschiff aus befehligt, erstanden werden. Mittlerweile, nach 5 Jahren und 17 kostenlosen Erweiterungen, enthält „No Man’s Sky“ genug Inhalt um jede Spieler/in für hunderte von Stunden in seiner Welt zu fesseln. Ihr wollt euch als Space Botaniker/in versuchen? Kein Problem! Auf fliegenden Lebensformen in den Sonnenuntergang reiten? Auf geht’s! Kopfgelder von Weltraumpiraten sammeln? Gerne doch! Dem Ursprung des Universums auf den Grund gehen? Bin dabei!

Und wenn euch das Universum, nach Stunden des Entdeckens, leer und einsam vorkommt und ihr euch nach menschlicher Gesellschaft sehnt, bietet „No Man’s Sky“ nicht nur all diese Erfahrungen auch im Multiplayer an, sondern spendiert den Mehrspielerliebenden Herdentieren unter uns einen eigenen Game Mode, der das Miteinander im Universum auf eine ganz neue Stufe hebt. Galaktisch gut! Nicht von dieser Welt! Exorbital Genial!

Dorthin wo noch nie ein Mench zuvor gewesen ist

Laut Steam habe ich eine ungesund hohe Anzahl an Stunden in „No Mans’s Sky“ verbracht. Von meinem anfänglichen Überlebenskampf, nach meinem Crash auf einem unbekannten Planeten, über die Erkundung des Sonnensystems, bis zur Reise zum Mittelpunkt der Galaxie habe ich mich als Zoologe, Kartographen, Kopfgeldjäger, Botaniker, Minenarbeiter, Händler, Raumfahrer, Diplomat, Kapitän und Entdecker in der Geschichte des Universums verewigt. Ich bereue keine einzige Sekunde, die ich in diesem Spiel verbracht habe und noch verbringen werde. Solange „No Man’s Sky“ in mir weiterhin das Gefühl von Sternweh auslöst, werde ich immer wieder in seine riesige Welt eintauchen.

Ich bin und bleibe wohl für immer Hooked!

2 Kommentare zu „„No Man’s Sky“

Gib deinen ab

  1. Sehr schöner Beitrag zu einem schönes Spiel, welches ich sehr viel häufiger spielen sollte.

    Das neue „Frontiers“ Update, welches einem Städtebau ermöglicht, wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass ich mich mal wieder dahinterklemme.

    Gefällt 1 Person

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