Kapitel 1

Kapitel 1

Mit einem Ruck war Malcolm wach. Verdutzt fuhr er auf und schaute sich um. Er lag auf der Pritsche in seiner Kabine auf der „Sayf“, auf seinem Schiff. Die rote Manöver Alarmleuchte, erhellte den Raum. Die Sirene, die über die Schiffslautsprecher ertönte, war der Annäherungsalarm. Zu seiner rechten, aus dem Kommunikationssystem des Schiffes ertönte die Stimme seiner Vizekapitänin Mina. 

„Captain. Ernsthaft. Wenn sie nicht in fünf Minuten in der Operationszentrale sind, übernehme ich ihren Posten und werfe sie aus der Luftschleuse“. 

„Mina, was ist hier … „, mehr bekam Malcolm nicht heraus. Sein Mund fühlte sich staubtrocken an und er war sich sicher die Worte mehr gekrächzt als gesprochen zu haben. 

„Unser Rendevous hat sich verschoben“, antwortete Mina. „Scheinbar kann er es kaum erwarten uns zu sehen“. Malcolm war noch immer nicht ganz wach. Trotzdem wusste er, dass Mina nur Von Van Dorn meinen konnte, einen miesen Mistkerl. Abschaum der Galaxie. 

Malcolm und seine Crew waren ihm jetzt seit etwa einer Woche durchs ganze Sonnensystem gefolgt. Van Dorn war ein berüchtigter Sklavenschmuggler, der hier im Vendo System, am äußersten Rand der Galaxie mehrere Typ 2 Kolonien überfallen und massenhaft Einheimische entführt hatte. 

Da die Raummarine des Planetenrates sich in der Regel einen Dreck um diese Leute scherte, erhob sie ein Kopfgeld und hoffte, dass sich der Schmutz der Galaxie selbst zerfleischte. Obwohl Malcolm sich und seine Crew als anständige Leute betrachtete, wusste er, dass auch wenn er diesen Dreck jagte, der Planetenrat ihn bei der erst besten Säuberung mit aufkehren würde. 

„Captain“, zischte es aus dem Lautsprecher, „Ich meine es ernst. Sie haben noch drei Minuten, bis ich eine Meuterei anzettele.“ Malcolm musste schmunzeln. 

„Mina, bei allem Respekt vor ihren Fähigkeiten als Motivationsrednerin, aber ich weiß, dass sie keiner Fliege etwas zuleide tun können.“ Malcolm konnte ihr Augenrollen durch die Schiffskommunikation hören. 

„Captain, auch wenn sie mindestens genauso nerven, glaube ich zu wissen, dass sie keine Fliege sind. Legen sie es nicht darauf an und bewegen sie ihren dürren, menschlichen Hintern hier herauf.“ 

So dürr war sein Hintern doch gar nicht, dachte sich Malcolm. „Ähm verstanden, bin auf dem Weg.“ Er verkniff sich ein Lachen, rieb sich mit einem nassen Waschlappen übers Gesicht und stieß sich von seiner Pritsche. 

Seine Beine waren noch immer etwas wackelig von seinem unruhigen Schlaf und er hatte einige Sekunden Probleme gerade aus zu gehen. Glücklicherweise herrschte auf dem gesamten Schiff eine, für menschliche Verhältnisse, schwache Schwerkraft von etwa 7m/s². 

Künstliche Gravitation war eine der bedeutendsten Magitech Errungenschaften der letzten 150 Jahre. Die primitiven Schiffe, mit denen die Menschheit zuvor das Weltall durchflogen hatte, konnten keine künstliche Schwerkraft erzeugen. Die Crews dieser Schiffe waren auf den Antriebsschub angewiesen, oder mussten sich mit magnetischen Stiefeln behelfen. 

Die künstlichen Schwerkraftgeneratoren schirmten die Besatzung der Schiffe nicht nur vor den Fliehkräften des Schubs ab, sie waren auch in der Lage Schwerkraft mit beliebiger Stärke über das gesamte Innere eines Schiffs zu verteilen. Da die meisten Besatzungen multiplanetar aufgestellt waren, musste man Kompromisse eingehen. 

Paleon, der Heimatplanet der Menschen, hatte mit seinen 9,807 m/s² eine vergleichsweise moderate Schwerkraft. Minas Heimatplanet hingegen besaß eine geringe Schwerkraft von 3,7 m/s². Die derzeitig herrschende Schwerkraft auf dem Schiff, die für Malcolm eine Erleichterung darstellten, kostete Mina einiges an Anstrengungen. Dies war einer der Gründe, warum Ilfen selten mit Besatzungen flogen, die nicht exklusiv aus Vertetern ihrer eigenen Spezies bestanden. Einer der Gründe. 

Für Born und Torn, den Zworgen Zwillingen auf der Sayf, die von einem sehr dichten und Massereichen Planeten stammten, war der Alltag auf dem Schiff dagegen, wie sie es nannten, „eine Muskel Entspannungstherapie“. 

Die Aufzugstür öffnete sich und Malcolm betrat die Operationszentrale des Schiffs. Mina sah von ihrem taktischen Display auf und winkte ihn zu sich. 

„Captain, entweder wir haben Glück und Von will von sich aus kapitulieren, oder wir steuern geradewegs auf eine nette kleine Schießerei zu.“ 

Malcolm beugte sich vor, um die taktischen Daten auf dem Display zu sehen. Im Umkreis von mehreren Millionen Kilometern waren die Sayf und die Märtyr, Vons Schiff, die beiden einzigen Objekte in der großen, weiten Leere des Alls. Das war schon so, bevor sich Malcolm für ein Nickerchen hingelegt hatte. 

Laut den Berechnungen sollte die Sayf, bei gleichbleibenden Beschleunigungsvektor, die Märtyr erst in mindestens 10 Stunden erreichen. Irgendwas stimmte hier nicht. Ein Textfeld ploppte auf: Berechnung abgeschlossen, Kontakt in t – 56 Minuten. 

„Wird er langsamer?“ fragte Malcolm ungläubig. Mina sah ihn mit nachdenklichen Augen an. „Er wird nicht nur langsamer, er hat den Antrieb ganz heruntergefahren.“ Warum sollte er das tun, fragte sich Malcolm in Gedanken. 

„Ich habe unseren Schub verringert. Wir sind zwar schon in Raketenreichweite, haben aber noch ein bisschen Puffer bis wir sie sehen.“ Mit ihren roten Augen, den langen Ohren und ihrem kurzgeschorenen Haar hatte Mina etwas Wildes an sich. 

Obwohl Malcolm nun schon seit über 3 Jahren mit ihr flog, verunsicherten ihn ihre blutroten Iris jedes Mal aufs Neue. 

Diese Augenfarbe war nichts Ungewöhnliches für Ilfen. Tatsächlich besaßen die meisten Vertreter von Minas Spezies diese Färbung. In der, für Menschen manchmal verwirrenden, gesellschaftlichen Kastenstruktur ihres Volkes, wurde der gesellschaftliche Status bei der Geburt anhand der Augenfarbe festgelegt. 

Malcolm empfand es als rückständig die Möglichkeiten eines Individuums aufgrund eines zufälligen Expressionsmuster der Gene zu limitieren. Trotzdem musste er zugeben, dass wenn man das große Ganze betrachtetet, die ilfische Gesellschaft wahrscheinlich fairer als die menschliche war. 

Mina hatte ihm erklärt, dass die Gene in der ilfischen DNA, die für die Ausprägung der Augenfarbe verantwortlich waren, keiner paternal epigenetischen Regulation und auch sonst keiner molekularen Imprägnierung unterlagen. 

Als er sie darauf hin verwirrt angestarrt hatte, erklärte sie ihm mit einfachen Worten, dass die Färbung nicht vererbbar wäre, was die Augenfarbe aus wissenschaftlicher Sicht, absolut zufällig machte. 

Natürlich spielte in der ilfischen Gesellschaft auch eine religiöse Komponente eine Rolle. So war das Schicksal eines jeden Individuums von den Göttern auserwählt und bla bla bla, Dinge die Malcolm nicht verstand und auch nicht verstehen wollte. 

Daher war es aber auch nicht unüblich, dass Kinder adliger Führungspersönlichkeiten, die rote Farbe der Arbeiterklasse ausprägten, oder andersrum. Aufgrund dieser Tatsache, galt es auch nicht als Schande, wenn sich der soziale Status innerhalb der Familie unterschied. Da Ilfen aber in der Theorie ewig lebten, war ihre Gesellschaft auch nicht auf Stammhalter angewiesen. 

„Schlafen sie immer noch?“ Mina riss ihn aus seinem Gedanken. „Ich ähm. Ich versuche mir nur zu erklären, warum Von es aufgegeben hat zu fliehen." 

"Wie ich schon sagte", antwortete Mina mit einem leicht gereizten Unterton, „entweder er hat einen Persönlichkeitswechsel durchzogen und will sich nun stellen, um für seine Sünden zu bezahlen, oder er glaubt in einem Kampf triumphieren zu können und will diesen nicht weiter hinauszögern. Wahrscheinlicher ist allerdings die dritte Option“, mit einer Hand machte sie die universell verständliche Geste mit den aneinander reibenden Fingern, die überall in der Galaxie als das Zeichen für Geld erkannt wurde. 

„Der Mistkerl will verhandeln.“ Malcolm runzelte die Stirn. Er wusste, dass Mina Recht hatte. Wäre er an Vons Stelle, würde er genauso vorgehen. Leider musste Malcolm zugegeben, dass Von in einer deutlich besseren Verhandlungsposition war als er. Schließlich befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht nur Von und seine Crew aus stinkenden Kanalratten an Bord der Märtyr. Malcolm schätzte, dass sich etwa ein Dutzend unschuldige Pixen in Gefangenschaft auf dem Schiff befanden. 

Das war das Problem mit Sklavenhändlern. In der Regel hatten sie immer genug Geißeln um mit einem blauen Auge davon zu kommen. „Was kann er uns anbieten?“ fragte Malcolm. „Meine Quellen auf Mordhau sagen, dass Von schon seit Monaten nicht mehr dort gewesen ist,“ antwortete Mina. 

Mordhau war ein übler Planet in einem üblen System, bewohnt von noch übleren Gestalten. Er war der zentrale Umschlagspunkt für den Sklavenhandel in der Galaxie und durch den Planetenrat nur deswegen toleriert, weil die Kartell Bosse gigantische Summen an Bestechungsgeldern an sie abdrückten. Malcolm hasste den Rat dafür. 

„Dieser Überfall auf die Pixen war so schlecht vorbereitet, dass er es  wahrscheinlich selber nicht glauben konnte, von der Oberfläche zu entkommen,“ fuhr Mina fort, „so wie ich das sehe, ist er verzweifelt. Ich denke nicht, dass wir mit hohen Bestechungssummen rechnen können.“ 

Malcolm schüttelte angewidert den Kopf. „Kannst du bitte aufhören, dieses Wort zu verwenden. So wie ich das sehe bin ich der letzte Mensch der noch an das Gute in mir glaubt und solche Aussagen helfen mir nicht dabei meinen Glauben zu bewahren.“ 

Mina seufzte: „Er wird uns keine hohen Ent-schei-dungs-hil-fen anbieten können. Einfach die Augen zu verschließen und eine ganze Pixenfamilie in die Sklaverei gehen zu lassen, könnte also mit ihren hohen moralischen Werten kollidieren, Ka-pi-tän.“ Er hasste es wie sie das Wort betonte. 

Sie hatte ja Recht, aber irgendwo her musste ihr Sold bezahlt werden. Auch wenn er glaubte, dass Mina ihn mittlerweile als eine Art "Freund" betrachtete, war er sich doch bewusst, dass sie ganz schnell ihre Kabine räumen würde, wenn die Gehaltschecks ausbleiben würden. Immerhin stand es mit den Finanzen schon eine ganze Weile nicht besonders gut. Warum sonst würde er Aufträge in diesem unzivilisierten Teil der Galaxie annehmen. 

Es gab mal Zeiten, da konnte man als Kopfgeldjäger genug ehrliches Geld verdienen um sich irgendwann in einem hübschen Häuschen abseits jeder galaktischen Probleme auf einem ruhigen Planeten den Ruhestand zu versüßen. 

Nicht, dass Malcolm diese Zeiten je erlebt hatte, aber die alten, verbitterten Veteranen in den versifften Kneipen auf Krodos, die ihre übliche „früher war alles besser und die Galaxie geht heutzutage vor die Hunde“ Platte abspielten, taten alles um es sich selber einzureden. 

Wahrscheinlich glaubten sie wirklich daran. In Wahrheit waren Kopfgeldjäger schon immer ganz unten in der Nahrungskette angesiedelt. Die Kriminellen mit denen man es in den Randgebieten zu tun bekam, kannten die Bedeutung von Empathie nicht. Wahrscheinlich kannten sie nicht einmal das Wort und Die Kopfgelder, die vom Planetenrat auf Sanguin ausgestellt wurden, waren bestenfalls ein besseres Trinkgeld. 

Wenn man als Kopfgeldjäger arbeiten wollte, brauchte man entweder einen unverrückbaren Glauben an das Gute und die Gerechtigkeit, gepaart mit einem unglaublich geringen Anspruch an das eigene Leben, oder man akzeptierte eine Gradwanderung der moralischen Art. Malcolm gehörte zur letzteren Kategorie. 

Seine Einnahmen bestanden in der Regel aus Ent-schei-dungs-hil-fen, dem verhehlen von Ware, die sie Dieben abnahmen, oder kleineren Schmuggelaufträgen, bei denen sie Lieferungen in die inneren Systeme der Galaxie brachten, während sie Kriminelle auf Krodos ablieferten. 

Das war der größte Vorteil eines Kopfgeldjägers. In der Regel blieb man weit unter dem Radar der Raummarine, die sie maximal als Kammerjäger betrachteten. Wer Drecksarbeit verrichtete, hatte in der Regel auch keine sauberen Hände.

„Mina! Öffne einen Kanal zur Märtyr. Wollen wir doch mal sehen, ob er mit uns reden will.“ „Richtkanal steht“, meldete Sie. Malcolm zögerte einen Moment. Der erste Kontakt war meist der entscheidende Faktor in diesen Verhandlungen. Je nachdem wie Von reagieren würde, könnten ein Dutzend unschuldigen Pixen ihr Leben verlieren, oder noch schlimmer, Malcolm ohne Profit die Heimreise antreten. 

„Mein Name ist Malcolm Balthasar, Lizensierter Kopfgeldjäger und Kapitän der Sayf. Von van Dorn, nach Artikel 283 Paragraph 52-62 der galaktischen Charta, bin ich befugt ihr Schiff zu betreten und sie bis zur Ankunft auf Krodos in Gewahrsam zu nehmen, wo sie sich für die ihnen vorgeworfenen Verbrechen vor einem Tribunal verantworten müssen. Die Verhaftung wird von mir und meiner Crew durchgeführt. Sollten sie auf jeglichen Wiederstand verzichten, werden wir sie und ihre Leute mit dem nötigen Respekt behandeln und nach Satzung der Charta für die Dauer der Reise unter Arrest stellen. Bei Wiederstand bin ich und meine Crew befugt Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um unser Wohlbefinden und ihre Verhaftung zu gewährleisten.“ 

Malcolm bemühte sich erst gar nicht so zu klingen als würde er den Text nicht einfach ablesen. Dies hier war der offizielle Teil. Solange man eine Aufnahme der Vorgangserklärung vorweisen konnte, war man als Kopfgeldjäger fein raus. Egal was in den nächsten Stunden geschehen würde, Malcolm und seine Crew waren wenigstens vor dem Gesetz geschützt. 

Nun zum Geschäft. „Hör zu Von. Ich bin mir nicht sicher, wie du dir Das hier vorgestellt hast, aber die Situation sieht folgendermaßen aus. Wir sind dir schon auf den Fersen, seit du den Transporter geklaut und zweitklassig gefälschte Papiere benutzt hast, um den Bifröst ins Vendo System zu nehmen. Wir haben nur gewartet um zu sehen welche Dummheiten du vorhast, um dein Kopfgeld noch ein bisschen anzuheben. Und man, was für eine sau dämliche Dummheit das war. Du fliegst ausgerechnet nach Pix? Das System ist voll mit bettelarmen Kolonien. Die Leute hätten dir ihre Kinder für ein Stück Brot verkauft. Aber du entscheidest dich für einen Typ 2 Planeten. Stellst illegalen Kontakt her und entführst einen ganzen Klan. Ist das eine Art Selbstmordversuch, der so viele Unschuldige wie möglich involvieren soll?“ 

Malcolm ließ eine kleine dramatische Pause im Raum stehen. Dann fuhr er fort. „Wir haben Anspruch auf deine Prämie erhoben. Das ist der einzige Grund, warum das System noch nicht mit Jägern überrannt wurde. Aber glaube mir, selbst wenn du es irgendwie schaffen solltest uns auszuschalten, sind die nächsten in wenigen Tagen im System. Das sind Aasfresser. Ganz zu schweigen von der Bifröst Blockade. Übrigens bringst du gerade den gesamten Handel der Kolonien hier zum Stillstand. Die meisten haben so schon kaum zu essen. Also bitte, erleuchte mich mit deinem genialen Plan.“ 

Malcolm schaute zu Mina. Sie blickte ihn nur stumm und nachdenklich an, ohne ein Wort zu sagen. „Wird man ja wohl noch fragen dürfen“, nuschelte Malcolm mit einer unschuldigen Miene. „Solange er redet, können wir uns seinem Schiff noch ein gutes Stück nähern.“ Mina verdrehte die Augen und wand sich wieder ihrem Monitor zu. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Schiffscomputer ein Signal von sich gab. 

„Captain, die Märtyr ruft uns, ich lege es dir auf deinen Monitor.“ Malcolm hörte Mina ein paar Mal auf ihrer Tastatur tippen, dann öffnete sich ein Videofeed auf seinem Display. Auf dem kleinen Bildschirm vor seinen Augen erschien das Gesicht von Von van Dorn. Malcolm erkannte ihn sofort von den Fahndungsfotos wieder. 

Von war ein Drek. Zwischen den Drek und den Menschen herrschte seit jeher ein eher angespanntes Verhältnis. Zu Beginn der menschlichen Ära der Sternenfahrt, als die Menschheit zum ersten Mal das eigene System verließ und auf anderes intelligentes Leben stieß, durchlief sie eine kulturelle Metamorphose, der einiges an Zeit und unglücklicherweise auch Blut zum Opfer fiel, bis sie sich vollzogen hatte. 

Der Mensch ist, von Natur aus, ein Egozentrisches Wesen. Zwar war der Menschheit, durch die Existenz des Sus Obelisken bewusste, dass es vor Ihnen intelligentes Leben in den Weiten des Universums gegeben hatte. Doch die Vorstellung, die Sus hätten ihr Wissen auch mit anderen Zivilisationen als den Menschen geteilt, kam ihr absurd vor. Immerhin waren sie die auserwählten der Götter. 

Als dann plötzlich Ilfen, Zworge, Gnamisch und andere Geschöpfe, die durch das Wissen der Sus die Geheimnisse der Magie entschlüsselt hatten, auftauchten und ihnen bewusstmachten, gar nicht so besonders zu sein, wurde die Menschheit in eine Existenzkrise geworfen. 

Glücklicherweise hielt diese Phase nicht besonders lange an, da diplomatische Beziehungen und die Eingliederung in den galaktischen Planetenrat in der Prioritätenliste rasant nach oben schnellten. 

Obwohl sich die führenden Zivilisationen des Planeterates in ihrer Physiologie und Gesellschaftsordnung voneinander unterschieden, konnten die meisten Menschen in Ilfen, Zwergen oder Gnamisch wenigstens einige kleine Gemeinsamkeiten ausmachen, was die Annäherung vereinfachte. Die einzige Ausnahme bildeten die Drek. 

Ihr Volk stammte vom Zwergplaneten Draccor im Primal Sytem. Draccor war eine Herausforderung an das Leben. Ein Drecksloch, das würde Malcolm einem Drek aber nie ins Gesicht sagen. An diesem Ort gilt bis heute, auch nachdem die Drek die Reise zu den Sternen antraten, das Gesetz der Wildnis. 

Draccor ist ein resourcenarmer Planet, der seinen Bewohnern das äußerste an Durchhaltevermögen abverlangte. Die dominierende Lebensform auf dem Planeten, die Drek, entwickelten sich somit zu einer zähen, robusten und für Malcolm, und den Großteil der Restmenschheit, etwas zu temperamentvollen Zivilisation. 

Die Spannungen zwischen den Drek und den Menschen, den Drek und den Ilfen, den Drek und den Zworgen und den Drek und so ziemlich jedem anderen Volk in der Galaxie hielten bis heute an. Man tolerierte sich, und natürlichen waren nicht alle Drek anpassungsunfähig. Doch leider bestätigten sich die Vorurteile, die einige Galaxie Bewohner über sie besaßen, häufiger, als es der Harmonie zuträglich war. 

Wie bei jedem Vertreter seiner Spezies, war Vons Körper von oben bis unten mit Echsenartigen Schuppen überzogen. In seinem Fall war ein dreckiges braun die dominierende Färbung. Zusätzlich zu den messerscharfen Zähnen und den direkt am Schädel anliegenden Atemlöchern, die jedem Drek ein, für die menschliche Wahrnehmung, animalisches Äußeres verliehen, sah Von einfach nur, man konnte es anders nicht sagen, beschissen aus. 

Sein Gesicht war von Kratzer, Schnitten und Hämatomen, die seiner bräunlichen Schuppenfarbe eine dunkelrote Nuance verliehen, übersäht. Er sah abgemagert aus und unter den gelben, schlitzförmigen Augen konnte Malcom große, geschwollene Tränensäcke erkennen. 

Verdammt, dachte sich Malcom, der Mistkerl musste eine sehr harte Zeit hinter sich haben. „Captain Balthasar“, krächzte es aus den Lautsprechern. 

Die Stammessprachen der Drek waren für Außenstehende nicht mehr als eine willkürliche Aneinanderreihung irgendwelcher Klick und Schnalzlaute. Zwar war ihre Physiologie in der Lage die allgemein verwendete Universalsprache „Kait“, die durch die Sus Obelisken verbreitet und an das gemeinsame Leben in der Galaxie angepasst wurde, zu sprechen, trotzdem hatten Vertreter ihrer Spezies, ohne magitechnische Augmentierung, einen ausgeprägten Akzent, mit lang gezogen s Lauten und stark betonten Konsonanten. 

„Sie und ich wissen beide wie das hier laufen wird,“ fuhr es aus dem Lautsprecher fort. „Wir sind doch beide Geschäftsmänner. Ich möchte meine Ware aus dem System bringen und sie wollen die nötigen, dafür anfallenden Gebühren eintreiben. Also lassen sie uns verhandeln, damit sie ihren Anspruch aufgeben, die System Blockade beendet wird, wir beide unsere Wege gehen können und uns nie wieder in die Augen blicken müssen.“ 

Malcolm wusste nicht, ob er Von respektieren oder bemitleiden sollte. Selbst wenn er sein, zweifelsfrei insuffizientes, Angebot annehmen und den Anspruch offiziell aufgeben würde, wären in wenigen Tagen die nächsten Jäger im System. 

Erfahrungsgemäß würden dieses wenig Interesse an dem Überleben der Geißeln zeigen und Vons Schiff, ohne mit der Wimper zu zucken, in Staub verwandeln, sollte dieser keine Bestechungsgelder aufbringen können. 

Sich von Malcolm gefangen nehmen zu lassen und vor dem Tribunal zu verantworten war mit absoluter Gewissheit Vons beste Chance lebend aus der Sache herauszukommen. 

Sein Kopfgeld war durch den Überfall auf einen Typ 2 Planeten ansehnlich gestiegen und mit den Transportaufträgen, die Malcolm für die Überführung nach Krodos annehmen konnte, würde er vielleicht sogar etwas verdienen. 

Sollte er es irgendwie schaffen, dass die Geißeln überlebten, könnte sich der Klan vielleicht erkenntlich zeigen. Dann könnte er sich endlich den neuen Magisom Injektor leisten, den der Antrieb der Sayf so dringen nötig hatte. 

Viele Wenns, denen ein, offensichtlich, verzweifelter Drek, mit dem Rücken zur Wand, im Weg stand. 

„Hör zu Von,“ begann Malcolm. „Auch, wenn du es vielleicht nicht glauben wirst, liegt mir doch eine Menge an deinem Überleben. Tatsächlich bin ich vielleicht der einzige Jäger in zehn Sprüngen um dieses System herum, der noch einen winzigen, klimmenden Funken Moral und Anstand in sich trägt. Leider beinhaltet diese Restempathie auch das Wohlergehen der Pixen, die du illegaler weise als WARE bezeichnest. Dabei denke ich nicht einmal daran, dass du ihnen etwas antun könntest, sondern an die anderen Jäger, die sie einfach zusammen mit dir in einen Feuerball verwandeln werden.“ 

Obwohl Malcolm angestrengt Vons Gesichtszüge im Auge behielt, konnte er kein einziges Muskelzucken beobachten. „Ich biete dir und deinen Männern eine sichere Zelle bis Krodos. Du kannst also den harten Kerl spielen, in diesem System am dunklen Ende der Galaxie draufgehen und einiges an schlechten Karma sammeln, für das du dich vor deinem Schöpfer zu verantworten hast, oder du stellst dich dem Tribunal und vielleicht, es soll ja noch Wunder geben, wirst du leben.“ 

Wenn man die Minenarbeit auf der Gefängniswelt Barodin wirklich Leben nennen kann, dachte Malcolm, sprach es aber nicht aus. 

Von verzog noch immer keine Miene. Das musste Malcolm ihm lassen, Von besaß ein außerordentlich gutes Poker Face. 

„Ein Kopfgeldjäger mit Herz“, lachte er ihm auf dem Display entgegen. Zumindest glaubte Malcolm, dass das gackernde Zischen, dass er von sich gab ein Lachen darstellen sollte. „Dass ich das noch einmal erleben darf. Ich will sie nicht beleidigen Captain Balthasar … Nein, das wäre gelogen. Ich würde sie am liebsten aufschneiden, ihnen die Gedärme rausreißen und mit ihrem Blut Jede Beleidigung, die diese minderwertige Sprache hervorbringen kann an die Außenhülle ihres Schrothaufens pinseln.“ 

Angenehmer Zeitgenosse, dachte Malcolm. „Aber ich fürchte, dass dies unseren Verhandlungen nicht zuträglich wäre“, fuhr Von fort. „Sehen sie, ich gedenke nicht nur dieses System als freies Individuum zu verlassen, ich plane auch die Ware auf Mordhau zum Kauf anzubieten. Nennen sie mir ihren Preis, ich habe einige Rücklagen, auf die ich zugreifen kann, sobald ich mich wieder in zivilisierteren Gefilden aufhalte. Ich stelle ihnen einen Schuldschein aus und in ein oder zwei Monaten befindet sich das Geld auf ihrem Konto.“ 

Er machte eine kleine Pause. „Captain Balthasar, sie sollten dieses Angebot annehmen. Es bringt doch nichts ein sinnloses Blutvergießen zu verursachen.“ 

Stumm tippte Malcolm eine Nachricht an Mina, ohne dabei die Augen von der Kamera, die sich über seinem Display befand, zu nehmen. Wie sicher bist du dir, dass Von mittellos ist? Das hier wäre sehr leicht verdientes Geld, schrieb er. Es dauerte keine 5 Sekunden bis Minas Antwort auf dem Display erschien. So sicher wie ein Gnamisch das Geld liebt. Das war zwar dezent rassistisch, dachte sich Malcolm, aber Gnamische liebten ihr Geld wirklich sehr. 

„Ähm ich fürchte, ich muss dieses Geschäft ablehnen“, begann Malcolm. „Wenn ich mich zwischen einer theoretischen Bezahlung in einigen Monaten und einer garantierten in den nächsten Tagen entscheiden muss, fällt mir die Wahl nicht besonders schwer.“ 

Von verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Endlich. Er war also doch ein Wesen aus Fleisch und Blut und keine Puppe. Es sah so aus, als versuchte er ein grinsen aufzusetzen. Allerdings erreichte dieses die Augen nicht und so sah es eher nach einem nervösen Zähne fletschen aus. 

„Ich glaube sie unterschätzen unsere Entschlossenheit“, zischte es aus den Lautsprechern. „Für Empathie und Mitgefühl ist in unserem Berufsfeld kein Platz. Ich scheue mich nicht davor die Geißeln, eine nach der anderen, aus der Luftschleuse zu werfen. Es ist zwar schade um das Geld, aber damit kann ich leben. Können Sie damit Leben, Captain?“ 

Konnte er? Malcolm hatte in seinem Leben schon so einiges getan, auf das er nicht besonders stolz war. Auch einiges auf das er zwar stolz war, es aber niemals laut aussprechen würde. Natürlich gab es auch Kollateralschäden während einigen Aufträgen. Aber nie kam es zum Tod von Unschuldigen, bevor Malcolm nicht alles in seiner Macht stehende getan hatte um diese zu schützen. 

In der Regel genügte es das Geld anzunehmen und die Kriminellen ziehen zu lassen. Heute war es etwas Anderes. Die Geißeln würden mit, an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, sterben, sollte er es nicht schaffen Von festzunehmen. 

„Selbst, wenn wir das Angebot annehmen, sie werden es niemals aus dem System schaffen. Nicht mit diesem, beeindruckenden Lebenslauf. Es ist vorbei, sei vernünftig.“ 

Sei vernünftig. Malcolm musste sich zusammen reißen nicht den Kopf zu schütteln. Hatte er das gerade wirklich gesagt. Warum machte er nach all diesen Jahren noch solch einen Anfängerfehler. Er konnte Minas bohrenden, entsetzen Blick in seinem Nacken spüren. Sie wusste es natürlich besser. An die Vernunft appellieren, bei einem Drek. Da konnte man gleich versuchen einem Zworg Tischmanieren beizubringen. 

Das Grinsen auf Vons Gesicht wurde noch breiter. Dieses Mal erreichte es sogar die Augen. „Sie unterschätzen mich Kapitän Balthasar. Sie glauben vielleicht sie könnten mir mit ihren Geschichten Angst machen. Ich kenne Leute wie sie. Sorglos und dumm. Sie treiben durch die Galaxie, die ihnen ein einfaches Leben auf einem Silbertablett anbietet. Sie wachsen auf, in einem Paradies, voller Wunder. Niemand muss hungern, niemand verdurstet. Niemand schlitzt ihnen die Kehle auf, weil sie es geschafft haben eine Essensration zu erhaschen,“ er spukte aus. 

„Ich bin ein Drek, Captain Balthasar, ohne Entschlossenheit, hätte ich es nicht einmal aus meiner Eierschale geschafft.“ Mit diesen Worten streckt er seinem Arm aus und seine krallenbesetzte Hand verschwand aus dem Bild. Malcolm hatte plötzlich ein ganz mieses Gefühl. Ohne den Blick abzuwenden schickte er eine Textnachricht an Mina. Nimm die Märtyr ins Visier, mach einen Torpedo bereit und lass Sam die Abwehrgeschütze hochfahren. 

Er rechnete fest damit, dass der Drek etwas Dummes vorhatte. Vons Hand kehrte zurück in das Bild. Zwischen seinen Klauen hielt er ein kleines Geschöpf von etwa 20 cm Größe. Eine Pixe. Die transparenten Flügel waren in einem unnatürlichen Winkel zwischen Vons großer Klaue eingequetscht. 

Das Wesen versuchte sich zu befreien und wehrte sich gegen die kräftigen, scharfen Krallen. Ohne Erfolg. „Verdammt Von, beruhige dich,“ rief Malcolm, deutlich aufgeregter als er es beabsichtigt hatte. 

„Entführung einer Typ 2 Population ist eine Sache, wenn du erst mal zu weit gegangen bist, kann dir niemand mehr helfen.“ Er versuchte sich wieder zu beruhigen. Unter keinen Umständen durfte er diesem Mistkerl einen Angriffspunkt liefern. 

„Du willst doch deine kostbare Ware nicht beschädigen,“ sagte er in einem Tonfall von dem er hoffte, man könnte ihn als desinteressiert interpretieren. Konnte man nicht. Das wurde im spätestens bewusst, als Von das kleine, bemitleidenswerte Geschöpf in seiner Hand drehte und mit der anderen die abstehenden Flügel griff. 

Das konnte er nicht tun! Mit einem reißenden Geräusch, das dem entzwei ziehen eines Klettverschlusses ähnelte, riss er die Flügel aus dem Rücken der Pixe. 

Ihr Schmerzensschrei brach Malcolm das Herz. Dieser miese Bastard würde dafür büßen. Seine gleichgültige Miene brach und Malcolm spürte wie ihm die Wut ins Gesicht stieg. 

„Ich schwöre bei allen Göttern, ich mach dich fertig Von“, zischte er zwischen den zusammengepressten Lippen hervor. „Glaub ja nicht, dass wir dich jetzt davon kommen lassen du Blindschleiche.“ 

Er gab ihm genau das, was Von von ihm wollte, einen Angriffspunkt. Malcolm wusste das, aber es war ihm egal. Die Pixen waren friedliche Geschöpfe, jeder wusste das. Auch wenn sie sich, wie alle Typ 2 Zivilisationen, aus den galaktischen Affären zwischen den Völkern heraushielten, waren sie doch überall für ihre Gutherzigkeit bekannt. 

Was für eine Scheiße. Von lachte laut auf. „Sehen sie Captain, ich glaube nämlich schon, dass wir davonkommen. So wie ich das sehe, haben sie nämlich Karten für die nächsten Vorstellungen und wie es der Zufall so will, sitzen sie sogar in der ersten Reihe.“ 

Von warf die abgerissenen Flügel hinter sich. Seine Hand schloss sich nun um den Kopf der kleinen Kreatur. Das Wimmern der Pixe klang dumpf zwischen seinen Fingern hindurch. 

„Es gibt nämlich einen gravierenden Unterschied zwischen ihrer und meiner Spezies.“ Er machte eine Pause, so als erwartete er Malcolms Frage. „Und die wäre?“, stieß Malcolm wiederwillig, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, aus. 

Von bleckte sich einmal über die spitzen Zähne, „Wir sind kaltblütig“. Mit einem Ruck brach er der Pixe das Genick. Leblos hingen die winzigen Ärmchen, die eben noch gegen den Griff ihres Entführers angekämpft hatten, an dem kleinen Körper hinab. 

Malcolm wurde übel. Er spürte wie sich neben den Resten unverdautem Essen noch etwas anderes einen Weg nach draußen bahnte. Eine betäubende Wut stieg in ihm auf und drohte jedes Bisschen rationales Denkvermögen, was seine feuernden Neuronen noch aufbringen konnten zu ersticken. 

T-40 Minuten bis Kontaktdistanz, begann Minas Nachricht, die gerade am Displayrand aufpoppte. Torpedo bereit, las er, warte auf Feuerbefehl. Gerade wollte er eine Antwort verfassen, als eine weitere Nachricht erschien. So können wir ihnen wenigstens weiteres Leid ersparen. 

Malcolm holte tief Luft. Er wusste, dass er in diesem Moment eine Entscheidung treffen musste. Warum ließ das Universum zu, dass jemand wie er über Leben und Tod bestimmen sollte. Wer gab ihm das Recht dazu. Wenn es so etwas wie Götter wirklich gab, schienen sie einen ausgesprochen schlechten Humor zu besitzen. 

Durch das Display konnte Malcolm beobachten, wie Von den leblosen Körper der kleinen Pixe fallen ließ und wieder den Arm ausstreckte, so als würde er nach einer weiteren Geißel greifen. 

Er dachte zu lange nach. Er musste jetzt handeln. Negativ, tippte er in seine Konsole. Heute würde keine Pixe mehr sterben. Er schickte die Nachricht ab und holte tief Luft. 

„Ok Von, du hast gewonnen. Ich bin einfach zu weich.“ Vons Arm stoppte, außerhalb des Bildes. „Ich schlage dir einen Deal vor“, fuhr Malcolm fort. „Selbst, wenn wir keine Bedrohung mehr sind, ändert das nichts an deiner Situation. Fakt ist, du hast dich ordentlich in die Scheiße manövriert und es gibt genug Schmeißfliegen da draußen, die sich nur zu gerne auf den Haufen stürzen würden.“ 

Von zog den Arm zurück und richtete seine gesamte Aufmerksamkeit auf Malcolm. „Und du hast Recht, ich habe ein weiches Herz und mir liegt wirklich etwas daran, dass die Pixen leben. Mehr sogar als an dem Geld, das ich mit deinem Kopf verdienen würde,“ gab Malcolm zu. 

„Wir machen also folgendes, du lässt die Pixen frei, wir nehmen sie auf unser Schiff. Meine Runentaucherin manipuliert die Blackbox der Märtyr und wir melden der Gilde ihre Zerstörung. Die Blockade wird aufgelöst, du suchst dein Glück in einem anderen System und wir müssen die Visage des Anderen nie, nie, niemals wiedersehen.“ 

Von runzelte die Stirn. Zumindest glaubte Malcolm, dass er es tat. Subtile Mimiken waren bei diesem Schuppenüberzogenem Gesicht schwer zu erkennen. „Kein Runentaucher kann eine Blackbox fälschen“, zischte Von. „Sie wurden designend um genau dies zu verhindern.“ 

„Natürlich wäre das nur temporär“, antwortete Malcolm. „Aber das sollte ausreichen. Sie muss lediglich echt genug aussehen, bis du das System verlassen hast. Hör zu, ich riskiere hier meine Kopfgeldjägerlizenz und nehme riesige Verluste in Kauf. Nimm das Angebot an und dann verschwinde aus meinen Augen,“ seufzte Malcolm resignierend. 

Von betrachtete ihn aufmerksam. Jetzt bloß keine Regungen zeigen, dachte sich Malcolm. Zeige ihm dein Pokerface. Dann endlich schien sich der Drek zu entspannen. Er nickte einmal knapp und sagte: „In Ordnung Captain Balthasar. So wie ich das sehe sind sie in etwa 40 Minuten in Andockreichweite. Sie und ihre Runentaucherin kommen auf die Märtyr. Alleine! Sobald sie die Box manipuliert haben, lassen wir die Geißeln zusammen mit ihnen auf ihr Schiff.“ 

Er machte eine kleine Pause, bevor er fortfuhr. „Glauben sie nicht, dass ich auch nur eine Sekunde zögern würde jeden einzelnen von uns ins große Nirvana zu schicken, wenn sie auch nur auf die Idee kommen mich zu bescheißen. Anders als sie hänge ich herzlich wenig an dem Leben anderer. Ich hoffe, dass habe ich ihnen klargemacht.“ 

Er machte eine Pause. „Ich habe rein Garnichts zu verlieren.“ Mit diesen Worten beendete Von die Verbindung. 

Malcolm fiel zurück in den Sitz. Erst jetzt merkte er, wie angespannt er während des Gesprächs war. Seine Finger schmerzten, als er die Fäuste öffnete und als er hinabsah, konnte er blau angelaufene Druckstellen in den Handflächen sehen, dort wo er eben noch seine Finger hineingepresst hatte. 

Hinter ihm räusperte sich Mina. Malcolm drehte sich um. Schon in der Art wie sie ihn ansah, konnte er erkennen, dass sie mit dem Verlauf der Verhandlungen nicht besonders zufrieden zu sein schien. 

„Wir werden also wieder kein Geld verdienen“, fragte sie. „Nein das werden wir nicht“, antwortete Malcolm. 

Verstehen sie mich nicht falsch, ich finde ihre Absichten sehr nobel und auch die Pixen werden ihre Anstrengungen zu schätzen wissen. Allerdings muss ich sie scheinbar darauf hinweisen, dass wir zurzeit leider niemanden haben der …“ 

„Ich weiß Mina“, fiel ihr Malcolm ins Wort. „Ich weiß. Trommel die Crew zusammen, wir treffen und in 10 Minuten in der Kombüse.“ 

„Ay Captain?“, sagte sie mit einem fragenden Unterton. „Und wo wollen sie jetzt hin, wenn ich das fragen darf?“ 

„Ich gehe kotzen,“ würgte Malcolm hervor.

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