Storytime

Hirnmasse auf Papier

Ein kleines aber feines Hobby von mir ist das Schreiben eigener Tabletop RPG Kampagnen. Dabei erschaffe ich Welten, Zivilisationen und Geschichten, die nie ein Mensch je sehen wird. Denn, wie der geneigte Pen and Paper Enthusiast weiß, der wahre Endgegner, ist die Terminfindung. Eine dieser Kampagnen, dieser verlorenen Werke, ließ mich einfach nicht mehr los. Ich mochte das Setting, die Welt und die Geschichte zu sehr, um sie in einem Ordner auf der hintersten Ecke meiner Festplatte verkümmern zu lassen. Ich dachte mir also, wenn es niemanden gibt, der mit mir zusammen diese Geschichte schreibt, dann tippe ich sie eben selber ab. Was daraus wird? … Keine Ahnung. Vielleicht wird diese Geschichte niemals zu Ende gebracht, oder vielleicht doch. Wir werden sehen. Ich bin Alles andere als ein professioneller Autor und mehr als halbgare RPG NPCs habe ich bisher auch noch nie aufs Papier gebracht. Bitte habt erbarmen.

Ich versuche immer mal wieder kleinere Kapitel meiner Story hier zu posten. Wann und in welchem Abstand diese Erscheinen kann ich nicht sagen. Ein echtes Abenteuer eben.

Die Ewige Armee

Prolog

Was lässt uns sehnsüchtig zu den Sternen blicken? Es ist der gleiche unermüdliche Instinkt, die Freiheit zu finden.

Sanft und kühl blies der Wind durch den leichten Stoff seiner Kleidung und seine kastanienbraunen Haare. Leise, in der Ferne hörte er das beruhigende plätschern des Baches, in dem er als kleiner Junge regelmäßig baden war. 

Im Schatten der großen Jaru-Bäume, geschützt vor den hoch stehenden Sonnen, flog ein Schwarm Schnabelskirrs, die ihre Lieder sangen. Malcolms Mutter hatte ihm erklärt, wie er einen Schnabelskirr von einem Rorschsänger unterscheiden konnte. Das war gar nicht so einfach, denn beide Wesen besaßen Federn und waren exzellente Flieger. Auch der Gesang war für Menschen zum Verwechseln ähnlich. Nur die rote Färbung des Brustkorbes, die während des Fluges schwer zu erkennen war, unterschied die beiden Spezies voneinander. Es war wichtig diese Unterschiede zu kennen. Schließlich galt das Fleisch eines Schnabelskirrs als Delikatesse. Ein paar Bissen von einem Rorschsänger dagegen, töteten einen erwachsenen Menschen schneller als der Biss einer Nantrantula. 

Malcolm wusste nicht wie giftig der Biss einer Nantrantula wirklich war, aber so hatte es seine Mutter eben erklärt, also musste es stimmen. Gedanklich noch bei den möglichen Nachwirkungen von Nantrantula Gift, wandelte er über das feuchte Gras der Jaruvanischen Ebenen. Dem Licht der wärmenden Sonnen folgend, hob er langsam seinen Kopf und blickte nach oben. Einige wenige, kleine, weiße Wolken zogen langsam über den tiefblauen Himmel Paleons. Die Strahlen der Zwillingssterne, Juve und Saj, was in der alten Khalonischen Sprache, die vor Jahrhunderten auf dem Kontinent Galfandr gesprochen wurde, Anfang und Ende bedeutete, ließ die Landschaft in einem goldgelben Licht erstrahlen. 

Malcolms Mutter hatte ihm erklärt, dass die Namen Juve und Saj daher stammten, dass die ersten Khalonischen Philosophen Juve am Morgen zuerst und Saj am Abend zuletzt am Himmel sehen konnten. Tatsächlich aber wechselten die beiden Sterne durch ihre eigene komplexe Umlaufbahn und die Umlaufbahn Paleons um das Zwillingsgestirn häufiger die Reihenfolge, in der sie am Himmel erschienen. Man entschied sich aber letztendlich die Benennung beizubehalten, auch wenn man hin und wieder von Saj geweckt wurde. Die Grashalme unter seinen nackten Füßen fühlten sich weich und feucht an. Ihn umfing dieses warme Gefühl der Geborgenheit. Ein Gefühl, dass nur die wahre Heimat in einem Menschen hervorrufen konnte. 

Warum sollte er seinen Planeten jemals verlassen. Warum sollte er auf dieses Gefühl verzichten wollen. Er ließ sich fallen. Das weiche Gras der Ebenen fing ihn auf und umarmte ihn, als würde Mutter Natur ihn endlich willkommen heißen. Wo eben noch klarer Sonnenschein, die Landschaft mit ihrem Goldgelben Licht flutete, breitete sich vor Malcoms Augen das große schwarz des Nachhimmel aus. Das stimmte nicht, der Himmel war nicht schwarz. Tausende und Tausende Lichter weit entfernter Sterne überzogen den Nachthimmel wie Funken, die aus dem Feuer der Unendlichkeit geboren wurden. 

Jeder dieser Sterne schien sein Licht auf Planeten wie Paleon. Und wo Licht ist, war auch das Leben nicht fern. Wie viele Augen wohl gerade auf anderen Planeten in den Sternenhimmel starrten. So viele Welten, dachte sich Malcolm. Wie konnte er nur jemals bleiben wollen. Es gab so viel zu sehen, so viel zu entdecken. 

Mit einem Ruck stand er auf. Er würde all diese Welten, all diese Sterne sehen, er musste sie einfach sehen. Noch bevor er sich, beflügelt durch den neu gefundenen Entdecker-Sinn, in Bewegung setzen konnte, blieb er stehen. Wo eben noch das satte Grün der Jaruvanischen Ebenen die Landschaft bedeckte und die gewaltigen Stämme der Jaru-Bäumen in den Himmel ragten, war nichts als kahler, lebloser Stein. Was war passiert? War er nicht mehr in Jaruva? 

Malcolm machte einen kleinen Schritt und fuhr zusammen. Etwas hatte ihn in seine Fußsohle gezwickt. Er spürte etwas Warmes an der Unterseite seines Fußes. Er verzog das Gesicht. Blut. Der Steinboden, der vor wenigen Momenten noch angenehm weiches Gras gewesen war, besaß viele, messerscharfe Vorsprünge. Es sah so aus, als würde er aus Feuerstein… Nein, Obsidian bestehen. 

Das hier war definitiv nicht Jaruva. Malcolm war sich nicht einmal sicher, ob er sich noch auf Paleon befand. Jedenfalls hatte er noch nie von messerscharfen Obsidian Ebenen gehört. Das schloss natürlich nicht aus, dass es irgendwo in der Galaxie einen solchen Ort geben könne, aber sicher nicht auf seinem Heimatplaneten. 

Langsam wurde er unruhig. Wie zur Hölle war er hierher gelangt? Eben noch wandelte er durch seine, ihm wohl bekannte, Heimat und plötzlich fand er sich hier wieder. Wo war Hier? Was war Hier? Es half nichts. Wo auch immer er sich befand, er würde keine Antworten finden, wenn er einfach wie ein verängstigtes Kind an Ort und Stelle blieb. 

Er zog sein dünnes Oberteil aus, riss es in zwei Hälften und band es sich um seine Füße. Besser als nichts. Nach einigen Probeschritten, die zwar nicht angenehm waren, ihm aber immerhin keine weiteren Schnittwunden einbrachten, richtete er sich auf und setzte sich in Bewegung. Langsam aber beständig, brachte er Meter um Meter hinter sich. 

Die Landschaft, die von dem Licht eines kalten blutroten Sterns erleuchtet wurde, schien sich nicht zu verändern. Überall, in allen Himmelrichtungen konnte Malcolm nur den kahlen Obsidian ausmachen. Wie lange war er schon unterwegs. Er hatte keinen Durst, keinen Hunger und wurde auch nicht müde. Trotzdem fühlte es sich an, als verginge die Zeit schneller und die Tage rasten an ihm vorüber. 

Es kam ihm so vor als wären Jahre vergangen, seit er seinen ersten Schritt getan hatte. Doch sein Körper schien keine Anstalten zu machen eine Rast einlegen zu wollen. Er ging weiter. Langsam, begannen sich seine Gedanken zu verlieren. Er wechselte oft die Richtung, unfähig den genauen Grund und das Ziel seiner Reise zu benennen. Es schien ihm sinnlos zu lange in eine Richtung zu gehen, schließlich fand er nicht wonach er suchte. 

Wonach suchte er denn eigentlich? Es schien wichtig zu sein, er war immerhin schon Jahre unterwegs und hatte seitdem nicht ein einziges Mal angehalten. Er sollte es noch einmal in der entgegen gesetzten Richtung probieren. Vielleicht hatte er damit mehr Glück. 

Wie aus dem Nichts baute es sich vor ihm auf. Wo eben noch ein Meer aus endlosem, messerscharfen Obsidian auf seinem Weg lag, erhob sich vor ihm eine gewaltige Wand. Zwar bestand diese aus dem gleichen Obsidian, dass den gesamten Planeten zu überziehen schien, allerdings war dieser Obsidian bearbeitet worden. 

Die Wand war kahl und flach, keine scharfen Ecken oder Kanten waren zu sehen. Malcolm legte die rechte Hand an die Wand. Er spürte eine leichte Vibration, ein Pochen. Sie schien rhythmisch zu sein und alle paar Sekunden für einen kleinen Moment zu entstehen um dann genauso schnell wieder zu verklingen. Es erinnerte Malcolm an einen Herzschlag. 

Er folgte mit seinem Blick der Wand in Richtung Himmel. Sie besaß eine Wölbung und nach etwa 100 Metern verlor er den weiteren Verlauf der Mauer aus den Augen. Zu beiden Seiten schien sie sich endlos zu erstrecken, was ihr plötzliches Auftauchen noch surrealer machte. Wie kann etwas so Großes aus dem Nichts entstehen. Malcolm zuckte mit den Schultern. Rumstehen half nicht weiter und es wurde langsam Zeit, dass er irgendwo ankam. Wo auch immer Das sein würde. 

Eine Hand an der Wand entlang ziehend, entschied er sich für eine Richtung und setzte sich in Bewegung. Es dauerte nicht lange, bis Malcolm bemerkte, dass, was auch immer dieses Gebilde zu sein schien, es eine Art Kuppel sein musste. Jedenfalls beschrieb die Wand einen weiten Kreis und nach einer Weile, wieder fühlte sich wie Jahre an, kam er an eine Stelle, die im sehr bekannt vorkam. 

Die kleine Obsidian Skulptur, die sich auf dem Hügel, vor ihm gebildet hatte, sah für ihn wie die Silhouette der „Sar Alhem“ aus, einem Transporter, auf dem vor Jahren einmal angeheuert hatte. Hatte er? Dieser Teil seines Lebens kam ihm eher wie eine Art Traum vor. Hatte er nicht sein ganzes Leben in dieser Obsidian Wüste auf diesem Gottverlassenem Planeten verbracht. So oder so. Wenn die merkwürdigen Naturgewalten, die die Oberfläche dieses Planeten einst schufen sich in ihrer willkürlichen Architektur nicht wiederholt hatten, war er bestimmt schon einmal an dieser Stelle gewesen. Was auch immer hier vor ihm lag, war definitiv eine Kuppel. 

Lebten hier vielleicht Leute. Warum ließen sie ihn nicht hinein. Er würde ja nicht lange bleiben. Vielleicht würde er nach einem Paar Schuhe fragen, sich dann aber wieder auf den Weg und auf seine Suche machen. Er würde einfach mal anklopfen. Nachfragen schadete ja bekanntlich nicht. 

Energisch drehte er sich wieder der Kuppel zu. Nanu! Dort wo eben noch eine solide Wand vor ihm ragte, war eine kleine Einbuchtung entstanden. Eine Fläche von zwei mal drei Metern war in die Obsidian Wand eingelassen. Das sah aber bis eben noch nicht so aus, dachte sich Malcolm. Plötzlich zischte es, als würde Atmosphäre aus einer sich öffnenden Luftschleuse entweichen. Ein Spalt bildete sich in der Mitte der Einbuchtung und teilte die Fläche in zwei gleich große Teile. 

Wie ein Schleusentor öffnete sich die Wand vor Malcolms Augen. Fast lautlos glitten die Tore auseinander und hinterließen eine Öffnung, in der er nichts als makellose Schwärze entdecken konnte. „Hallo“, rief er in das Innere der Kuppel. Er musste husten. Er hatte gerade das erste Wort seit Jahren gesprochen. Seine Stimmbänder mussten außer Form sein. 

Noch einmal musste er husten. Das Geräusch hallte aus dem Inneren der Kuppel zu ihm zurück. „Ist hier jemand“? Er wartete und lauschte. Bis auf das Echo seiner eigenen Stimme konnte er nichts wahrnehmen. Scheinbar blieb ihm nichts Anderes übrig als einfach den nächsten Schritt zu machen und einzutreten. Was sollte schon passieren. Immerhin hatte sich die Tür für ihn geöffnet und er hatte freundlich nachgefragt ob jemand hier wäre. 

Erst einen, dann einen zweiten und dann noch ein paar Schritte und Malcolm stand in der Dunkelheit der Kuppel. Es war als würde sie ihn verschlingen. Er hatte das Gefühl die Dunkelheit berühren zu können, so dicht erschien sie ihm. Dann, wie aus dem nichts flammte ein rotes Licht auf und erlosch wieder, nur um direkt wieder zu entflammen und zu erlöschen. 

In regelmäßigem Abstand erleuchtete das Licht einen kleinen Bereich vor Malcolms Augen. Er verstand nicht, was es zu bedeuten hatte, aber er hatte den Eindruck als wolle das Licht ihm etwas Dringliches mitteilen. 

Als wäre das nicht verwirrend genug, ertönte aus dem nichts der Kuppel plötzlich ein Geräusch. Ein klarer, durchdringender, hoher Ton, der synchron mit dem Licht entstand und wieder verschwand. Erst leise, dann immer lauter schien er von überall herzukommen. 

Malcolm sah sich um und versuchte die Quelle des Geräuschs auszumachen. Es gelang ihm nicht. Egal in welche Richtung er sich drehte, das Geräusch war omnipräsent und einschüchternd. Malcolm sank auf die Knie. Er presste seine Hände gegen die Ohren und hoffte inständig, dass dieses Geräusch endlich aufhören würde. Es war ein Fehler die Kuppel zu betreten, das wusste er jetzt. 

Er würde diesen Fehler nie wieder machen, sollte er die Kuppel je wieder verlassen können. Zu dem markdurchdringenden Ton gesellte sich ein weiteres Geräusch. Erst kaum auszumachen, wurde es immer dominanter. Eine Stimme. Malcolm kannte die Stimme. Woher kannte er sie? Er konnte sich nicht erinnern jemals ein anderes Wesen auf diesem Planeten getroffen zu haben. Was sagte sie? Es war schwer zu verstehen, da der Ton zu laut war und alles übertönte. „Captain … Zentrale“. Er versuchte ganz genau zuzuhören und den lauten Ton auszublenden. „Captain, wir brauchen sie in der Operationszentrale. Schlafen Sie etwa noch?“ 

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